Johannes Gollwitzer steigt aus dem Regionalzug aus Weiden auf das Gleis 4 am Regensburger Hauptbahnhof. Er hält sein Gesicht in die warme Frühlingssonne, dabei blitzt das massive, silberne Tunnelpiercing im rechten Ohr auf. Es ist halb zehn Uhr morgens. Für den jungen Mann mit dem dunklen Vollbart hat dieser wunderbare Frühlingstag schon früh begonnen: seit 5 Uhr ist er auf den Beinen. Er hat Tee getrunken, seine Abführmittel genommen, Mails gecheckt, Kochsalzlösung inhaliert und Antibiotika geschluckt, nochmals für 45 Minuten inhaliert, die Inhalationsgeräte ausgekocht, geduscht. Fast vier Stunden hat das alles gedauert – so wie jeden Morgen. Wenn er am Abend nach Hause kommt, wird er wieder inhalieren, Tabletten schlucken und Geräte reinigen, zwei Stunden lang – so wie jeden Abend. Johannes ist schwer krank. Er hat Mukoviszidose.