Eine Kür auf grauen Fliesen. Perfekte Körperbeherrschung, jeder Muskel angespannt, ein fokussierter Blick. Sebastiano Bonivento macht vor, wie es geht. Im Nichtschwimmerbecken des Regensburger Westbads stehen fünf junge Damen in einer Reihe bis zum Hals im Wasser und lernen vom Mann am Beckenrand. Der Italiener mit schwarzem Haar und blauer Badehose ist ihr Tanzlehrer. „Armiii in die Höheeee“, sagt er – und sogleich gehen die Hände aus dem exakt 1,35 Meter tiefen Wasser nach oben. Fast synchron. Bonivento wechselt kurz ins Französische: „Développé devant!“ Die Schülerinnen öffnen ihren Körper mit einer sanften Bewegung. Alles Ballett, kein Wasserballett. Viel mehr eine Sondertrainingseinheit, die gerade im Freizeitbad beginnt. Die Schwimmer nebenan im Sportbecken sind verwirrt. Dass diese Trainingsstunde weltmeisterlich ist, wissen sie nicht.