EILAT. Der Steppenbussard schaut verdrossen über die Tischkante. Kein Wunder: Erst in zwei zusammengepappte Konservendosen gesteckt und gewogen, dann längs und quer vermessen und jetzt noch mit einem Ring um den Fuß versehen – da vergeht’s doch dem stolzesten Bussard!

Er wird sich schnell berappeln, sein Aufenthalt in der Holzbude am Stadtrand von Eilat ist kurz. Keine fünf Minuten brauchen erfahrene „Ornis“ wie Euan Ferguson, um einen Vogel zu bestimmen, zu registrieren, zu beringen und wieder freizulassen. Das Ornithologen-Team hat’s eilig. Über 500 Millionen Vögel ziehen jeweils im Frühjahr und im Herbst über Eilat hinweg. Damit ist die israelische Stadt an der Nordspitze des Roten Meeres für Zugvögel so was wie der Pfaffensteiner Tunnel für ostbayerische Pendler: ein unausweichliches Nadelöhr. Aber sie ist auch ein lebenswichtiger Rastplatz, an dem die fliegenden Pendler zwischen Afrika und Eurasien Energie tanken: im Frühjahr nach, im Herbst vor dem Überflug über Rotes Meer, Sahara und Sahelzone. Und ein winziger Bruchteil verfängt sich in einem der Netze des „Vogelparks Eilat“ und landet so bei Euan, dem Schotten, seinem englischen Kollegen Tim Jones und dem Israeli Chen Rozen, die gerade im Akkord arbeiten.