Beginnen wir mit der Gegenfrage: Wo sind die Väter der Nation? Wer sind sie, welche Eigenschaften haben sie? Und: Gibt es sie überhaupt? Mal abgesehen von den Gründungsvätern eines Staatswesens lautet die Antwort: nein. Mütter der Nation allerdings gab und gibt es etliche. Von Inge Meysel und „Mutti“ Angela Merkel hierzulande über Südafrikas Winnie Mandela, die US-First-Ladies Barbara Bush und Michelle Obama bis hin zu Englands Queen Victoria und Frankreichs Marianne. Mütter der Nation sind einerseits Bezugspersonen für ein Land – eigene Kinder müssen sie dabei gar nicht haben. Sie sind gewissermaßen einende Projektionsfiguren, die mütterlich sein können, aber nicht sein müssen. Andererseits sind sie auch Rollenmodelle für Weiblichkeit. Und natürlich verkörpern sie Klischees.