Wir haben einander lange nicht mehr zugehört. Wir sind zu sehr mit anderem beschäftigt: Wir sprechen und urteilen, wir twittern und posten, wir kritisieren und loben, wir posaunen unsere Meinung in die Welt hinaus. Wir haben so sehr damit zu tun, anderen unsere Sicht der Dinge mitzuteilen, dass wir Gefahr laufen, unser Gegenüber zu übergehen.

Unsere Kommunikation stand selten so sehr unter Beobachtung wie heute. Die Debatte über Political Correctness zeigt, wie emotional und oft auch dogmatisch darüber verhandelt wird, mit welcher Wortwahl wir uns austauschen. Es geht immer um das Sprechen, nie um das Zuhören: Die Frage nach politischer Korrektheit geht vom Sender einer Botschaft aus, nicht vom Empfänger. Wir fragen danach, wie wir sprechen sollen und dürfen, wie viel Direktheit und Härte unsere Sprache verträgt. Politische Korrektheit soll moralische Richtlinien für dieses Sprechen festlegen. Sie ist ein Maßstab für den Sprecher – nicht für den Adressaten.