nr. sieben

Die Melodie des Protests

Im Moment liegen viele Nerven blank. Wo sind die Songs dazu? Früher waren sie wichtiger als heute.

Was wäre der Protest gegen den Vietnamkrieg ohne Woodstock? Was wäre Black Power ohne Black Music? Der Kampf gegen Rassentrennung in Südafrika ohne den Refrain „Free Nelson Mandela“? Musik ist ein maßgeblicher Katalysator für Veränderung, nicht nur im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich, sondern auch im politischen.

Billie Holiday
Billie Holiday live in Rochester, NY, 1957 Foto: PHOENIX/Paul J. Hoeffler/dpa

Es ist genau 80 Jahre her, dass Billie Holiday im New Yorker Jazzclub Café Society zum ersten Mal „Strange Fruit“ sang. Als der letzte Ton verklungen war, blickte die 24-Jährige nicht mehr ganz unbekannte Jazzsängerin in erschütterte Gesichter. Dann schwoll der Beifall an, langsam, aber umso nachhaltiger, wie das immer so ist, nach einem Vortrag, der zutiefst berührt und nachdenklich macht. „Strange Fruit“, die sonderbare Frucht, die im Südstaatenwind an den Pappeln baumelt, ist ein von Weißen gelynchter Schwarzer. Auch weit nach dem Ende der Sklaverei waren willkürliche Lynchmorde vor allem im Süden der USA gang und gäbe, die Opfer gingen in die Tausende. 1937 hatte der jüdisch-kommunistische Lehrer und Komponist Abel Meeropol diese Barbarei in wenige, aufwühlende Worte gegossen und eine simple Melodie dazu verfasst. „Strange Fruit“ wurde nicht nur zu Billie Holidays Signature-Song, mit dem sie ihre Konzerte beendete. Er wurde zur Hymne der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

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