Die Szene dauert keine Minute, trotzdem wird sie ein ganzes Löwenleben prägen. Durch das Glasdach der Aula delle Udienze Pontificie im Vatikan scheint Tageslicht. Unter der Kuppel sitzen an jenem 28. Januar 2009, elf Uhr, rund 6500 Menschen.

Alle haben sie den Regensburger Pontifex fokussiert. Sie sind gekommen, um dem Heiligen Vater bei der Privataudienz nahe zu sein. In den vorderen Reihen halten Gläubige Videokameras und Fotoapparate hoch. Das wäre heute unvorstellbar. Die Smartphone-Kultur gab es damals noch nicht.
Es herrscht Stille in der Audienzhalle, fast andächtig. Dann plötzlich eintretender Applaus. Auf der Bühnenplattform tut sich etwas. Ein Mann im weißen Kostüm, an dem funkelnde Pailletten und Glitzersteine befestigt sind, nähert sich dem Papst. Es ist kein Unbekannter. Martin Lacey junior, der mit seinen Raubtiernummern Europas Zirkuszelte füllt, trägt einen knapp drei Monate alten Löwen. Das Tier hat seine Vorderpfoten lässig über den linken Arm des Briten gelegt. Der Löwe ist relaxed. Sein Dompteur auch. Er wirkt smart. Ein Brite eben.