Ganz plötzlich war es da, fast wie aus dem Nichts – wobei das nicht stimmt, denn es gab einen Auslöser. „Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen“, sagte der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland am Abend der Bundestagswahl nach dem erschreckend guten Ergebnis seiner Partei. Kurz hing der Satz in der Luft, dann kam das Gefühl: Ich will auch mein Land wieder zurück.

Es ist das Land, in dem ich groß geworden bin. In dem rechte Sprüche nicht salonfähig waren. In dem deutsche Flaggen vor staatlichen Einrichtungen wehten und nicht in Nachbars Garten flattern, selbst wenn gar keine Fußball-WM ist. In dem es bis auf wenige Ausnahmen rechts neben der CSU keine Partei gab, die eine große Menge von Leuten für wählbar und damit für demokratietauglich hielt. Es ist ein Land, das es so nicht mehr gibt, und die Sehnsucht danach wäre mit dem Begriff „Westalgie“ falsch beschrieben, da auch das, was im nostalgischen Blick auf den alten Westen glänzt, nicht Gold war und zudem genauso zersetzt wurde – ach, sogar und gerade in Bayern – durch die ätzende Polemik von Rechtsaußen.
Bei diesem Gefühl geht es auch nicht um das Land im Sinne eines definierten Territoriums mit Grenzen und einer Mauer, die 1989 zum Glück gefallen ist. Es geht vielmehr um den Zeitgeist, von dem es beherrscht wird.