Wie in einer Zeitmaschine kann man sich im New Yorker Stadtteil Brooklyn fühlen. Am Ende der Williamsburg-Brücke, die Manhattan und Brooklyn verbindet, sieht man sich plötzlich ins 19. Jahrhundert versetzt. Hier ist die Welt der Satmar, einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde, die in Süd-Williamsburg ihre weltweit größte Anhängerschaft hat.

Das ist bei jedem Schritt sichtbar: Hier trägt fast niemand den üblichen urbanen Chic, sondern den, der die Zugehörigkeit zur Gruppe ausdrückt: Die Männer haben lange Bärte, hohe schwarze Hüte und Pejes – kunstvoll eingedrehte Schläfenlocken. Die Frauen tragen lange Röcke, dunkle Daunenjacken, blickdichte Strümpfe. Viele chauffieren Kinderwagen – im Durchschnitt hat eine Familie hier sechs bis sieben Kinder. Die Ladenschilder sind häufig in Jiddisch, geschrieben mit hebräischen Schriftzeichen. Es wirkt wie eine Geheimsprache für Eingeweihte. Die Geschäfte richten sich an den speziellen Bedürfnissen der Community aus. Hier gibt es koschere Lebensmittel, religiöse Bücher und Judaica-Bedarf: silbern blitzende vielarmige Menorahs, Gebetsschals, Geschirr für Festtage.