Kochen

Der Weihnachtsgockel

Für Kurzentschlossene und absolut stressfrei: Huhn aus dem Römertopf

Es war einmal eine Zeit, in der der Römertopf total „in“ war. Bestimmt lag er da auch unter vielen Christbäumen als Geschenk. Wir kramen ihn zur Feier des Festes wieder einmal hervor und braten darin einen feinen Bauerngockel.

Weihnachten ist nicht das Fest, an dem Mann und Frau den ganzen Tag in der Küche verbringen sollten, um sich an ausgefallenen Menükreationen die Zähne auszubeißen. Das dankt einem am Ende keiner so richtig und führt obendrein nicht selten zu Zwist, der die Besinnlichkeit dann doch etwas überschattet. Besser an solchen neuralgischen Tagen ist es daher immer, sich ein bisschen zu unterfordern als zu überfordern. Freilich ist die Zubereitung einer Gans oder einer Ente auch keine Wissenschaft für sich. Doch beides ist recht fett und liegt neben der unvermeidlichen Plätzchenmenge mitunter schwer im Magen. Ein Bauerngockel hingegen zeichnet sich durch sein mageres Fleisch aus. Im Römertopf gegart wird er schön zart und saftig.

Der Römertopf war ein Geschenk meiner Mutter. Er hat bisher nur wenig Patina angesetzt. Foto: Leonhard Sauerer
Der Römertopf war ein Geschenk meiner Mutter. Er hat bisher nur wenig Patina angesetzt. Foto: Leonhard Sauerer

Und noch ein Vorteil tut sich hier für kurzentschlossene Zuspäteinkäufer auf: Wer vergessen hat, die Gans oder die Ente rechtzeitig zu bestellen, kommt mit dem Hähnchen trotzdem ans weihnachtliche Geflügel. Denn einen Gockel kriegt man eigentlich immer. Und wenn’s dann kein stattlicher Bio-Bauerngockel von zwei Kilo ist, nimmt man halt zwei kleine Hendl.

Was man für dieses Rezept allerdings braucht, ist ein Römertopf von ausreichender Größe. Dieser Schmortopf aus gebranntem Ton erlebte in den 1970er Jahren seine Hochzeit. Er wurde millionenfach verkauft, verschenkt – sehr oft gewiss auch an Weihnachten – und verschwand dann mit der Zeit in den untersten Katakomben der Küchenschränke. Dort fristete auch mein Exemplar die letzten Jahre sein Dasein. Es wurde Zeit, den Römertopf wieder zu entdecken.

Wichtig: Den Römertopf wässern und den Bratvorgang im kalten Ofen beginnen Foto: Leonhard Sauerer
Wichtig: Den Römertopf wässern und den Bratvorgang im kalten Ofen beginnen Foto: Leonhard Sauerer

Im Netz findet man Schauergeschichten über explodierende Römertöpfe. Davon sollte man sich aber nicht beeindrucken lassen und lieber die korrekte Handhabung beachten: Wichtig ist, die Keramik vor der Verwendung gut zu wässern. Außerdem sollte man den Bratvorgang im kalten Ofen beginnen. Beides beugt dagegen vor, dass der Topf springt.

Gockel im Römertopf mit Ofengemüse - die Zubereitung

Zutaten für 3-4 Personen

  • Für den Gockel: 1 Bauerngockel (sollte gut 2 kg wiegen); 1 Zitrone; 1 große Zwiebel; 2 Karotten; 1 Petersilienwurzel; 1-2 Knoblauchzehen; 2 Zweige Rosmarin; Salz & Pfeffer; Olivenöl
  • Für das Ofengemüse: 6-8 Kartoffeln (ja nach Größe), gut gewaschen und geviertelt; 3-4 Karotten; 3-4 Petersilienwurzeln; weiteres Gemüse nach Geschmack, z. B. Blumenkohl- oder Romanesco-Röschen; Salz & Pfeffer; Olivenöl
  • Rosmarin und Zitrone aromatisieren das Geflügel. Foto: Leonhard Sauerer
    Rosmarin und Zitrone aromatisieren das Geflügel. Foto: Leonhard Sauerer
  • Der stattliche Gockel wird gut gesalzen und gepfeffert. Foto: Leonhard Sauerer
    Der stattliche Gockel wird gut gesalzen und gepfeffert. Foto: Leonhard Sauerer
  • Die Zutaten sind leicht zu beschaffen - auch auf den letzten Drücker. Foto: Leonhard Sauerer
    Die Zutaten sind leicht zu beschaffen - auch auf den letzten Drücker. Foto: Leonhard Sauerer

Der Gockel wird gut gesalzen und gepfeffert und mit etwas Zitronenabrieb eingerieben. Im zuvor gewässerten und geölten Topf grob geschnittenes Wurzelgemüse verteilen. Eine halbe Zwiebel und eine Knoblauchzehe in den Bauch des Gockels stecken, dazu etwas Rosmarin. Die restliche Zwiebel und den Knoblauch rund um den Gockel verteilen, außerdem den übrigen Rosmarin und ein paar Zitronenscheiben. Sehr wenig Wasser zugeben und den Deckel schließen. Bei 160 Grad Umluft gut zwei Stunden garen. Danach den Deckel öffnen und prüfen, ob sich das Fleisch locker vom Knochen löst. Ein Bauerngockel hat kräftigere Muskeln und braucht daher länger, bis er durch ist. Wenn nötig, noch etwas Garzeit zugeben. Für eine knusprige Haut wird anschließend die Hitze erhöht und der Gockel ohne Deckel 20 Minuten (unter Aufsicht) weitergebraten.

Einfacher geht’s nicht: Zum Gockel gibt es Ofengemüse vom Backblech. Wir schieben es für eine knappe Stunde mit in den Ofen. Foto: Leonhard Sauerer
Einfacher geht’s nicht: Zum Gockel gibt es Ofengemüse vom Backblech. Wir schieben es für eine knappe Stunde mit in den Ofen. Foto: Leonhard Sauerer

Die Beilagen garen nebenbei im Ofen: Kartoffeln und Wurzelgemüse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben. Die Stücke sollten etwa gleich groß geschnitten sein. Mit Salz und Pfeffer würzen und gut mit Olivenöl einreiben. Das Gemüse kann man nach Geschmack ergänzen. Sorten mit kürzerer Garzeit dabei nach und nach später zugeben, zum Beispiel Blumenkohl oder Brokkoli. Kartoffeln und Karotten brauchen je nachdem, wie groß sie geschnitten sind, 45-60 Minuten bei 180 Grad Umluft.

Übrigens: Man kann auch eine Ente im Römertopf zubereiten.

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