RomantikMZ-Plus

Der Sinn fürs Unendliche

„Klassisch ist das Gesunde, romantisch das Kranke“: Zur Geschichte einer kulturellen Revolution

Diese Verse dürften die meisten kennen: „Und meine Seele spannte / weit ihre Flügel aus. / Flog durch die stillen Lande, / als flöge sie nach Haus.“ Es handelt sich um die letzte Strophe von Eichendorffs „Mondnacht“ – Naturlyrik mit unverkennbar metaphysischem Bezug, die längst Schullektüre ist. Vertraut sind uns die Zeilen aber vor allem, weil sie als Text in Todesanzeigen und auf Sterbebildern so beliebt, ja fast allgegenwärtig sind: romantische, das heißt vor allem subjektivierte, verinnerlichte Religiosität als Trost in eher ungläubigen Zeiten. Wenn zwei Liebende bei Kerzenschein zusammen zu Abend essen, dann nennt man so ein Candle-Light-Dinner gern „romantisch“. Wenn Freundinnen sich darüber unterhalten, was für ein Typ denn der neue Lebensgefährte einer ihrer Bekannten sei, dann hört man gelegentlich, als würde das schon viel oder fast alles sagen: „Er ist sehr romantisch.“

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