nr. sieben: Ostern 2018

Vom Ei an – oder lieber mittenrein

Ein guter erster Satz macht neugierig und zieht uns in ein Buch hinein. Schriftsteller haben eine Vielzahl an Möglichkeiten – fangen manchmal aber auch mit dem Schluss an.

Wie anfangen? Der amerikanische Romancier und Literaturnobelpreisträger William Faulkner (1897-1962) hatte da einen Tipp parat: „Man muss den ersten Satz einer Geschichte so schreiben, dass jeder Leser den zweiten lesen will.“ Klingt einfach, ist in der Praxis aber doch ganz schön kompliziert. 

William Faulkner Dpa
William Faulkner erhielt 1950 den Literaturnobelpreis. Foto: dpa

Was einen guten Erzählanfang ausmacht, weiß Germanistik-Professor Dr. Jürgen Daiber. Er leitet an der Universität Regensburg seit zehn Jahren eine Schreibwerkstatt für Studenten aller Fachrichtungen. „Dem Anfang kommt schon aus strategischen Gründen eine sehr große Bedeutung zu“, sagt er. Denn die Lektoren in den Verlagen werden Waschkörbeweise mit Manuskripten überhäuft. „Die lesen die ersten paar Seiten und dann vielleicht noch ein bisschen quer“, so Daiber. Wer also auf dem Buchmarkt den Fuß in die Tür bekommen will, braucht einen starken Anfang.

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Zum anderen habe sich durch die digitalen Medien das Leseverhalten verändert: „Es wird gnadenlos weggeklickt, was nicht sofort das Rezipienteninteresse weckt.“ Mit den ersten Sätzen soll der Autor den Leser also neugierig machen auf das, was da noch kommt, ihn überraschen, wenn nötig irritieren – aber bitte nicht zu sehr. „Ein guter Erzählanfang ist die Eintrittskarte in die erfundene Welt, die der Autor erschaffen hat – damit kann er den Leser sehr schnell in diese Welt hineinziehen“, sagt Daiber.

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