Nur der Luftzug langer Kutten ist spürbar, schließt man die Augen. Nahezu lautlos füllt sich der Chor der Klosterkirche Waldsassen, jede der acht anwesenden Zisterzienserinnen ein stiller, frühmorgendlicher Hauch aus einer anderen Welt, wo der Tag nicht mit Arbeit oder einem müden Frühstück, sondern mit innerer Einkehr beginnt. Sie nehmen im Chorgestühl Platz. Äbtissin Laetitia Fech (59) hält die Stimmgabel an ihr Ohr, öffnet das Buch mit den Psalmen und beginnt zu singen, oder besser gesagt: zu klingen. Die wiederkehrende Folge von Tönen erfasst den Raum. Die reinen, weichen Frauenstimmen umfangen die Betenden mit einem Dialog, an dem sich nun mehrere Schwestern beteiligen. Der Wechsel von Sitzen, Stehen und Verneigen akzentuiert die Litanei. Worte und Stimmen verschmelzen zum Morgenlob, in das die Schwestern eintauchen, bevor sie ihr Tagwerk in Angriff nehmen.