Am Abend eines langen Tages stapft Stefanie Endruweit durch strömenden Regen die dunkle, menschenleere Hans-Sachs-Straße hinunter, Kapuze auf dem Kopf, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben. Seltsam, im Nebel zu wandern. Vielleicht geht ihr jetzt noch einmal die Gedichtzeile von Hermann Hesse durch den Kopf, mit der sie diesen trüben Novembertag in ihrer Morgenandacht begonnen hat. „Keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt“, hat sie vorgetragen – und dann mit einem Lächeln den Anflug von Melancholie einfach so weggestrahlt und gesagt, dass sie die Stille des Dämmers mag und dass ein Licht im Zwielicht doch viel heller scheine als an einem blendenden Sommertag. Das Strahlen ist überhaupt ihre Stärke, ob sie nun lacht, unterrichtet, erzählt, singt, betet, predigt oder zuhört.