Der Duft gerösteter Esskastanien funktioniert immer. Augen schließen, einatmen – so riecht die Vorfreude auf Weihnachten, auf Schnee und auf Kälte, in der sich die klammen Finger an einer Papiertüte mit frischen, heißen Maroni wärmen. Und so schmeckt sie: süß und nussig, rauchig und ein bisschen mehlig.

Aber Maroni sind nicht nur schmackhaft, sondern auch nahrhaft. Vom Menschen gegessen werden sie seit prähistorischer Zeit. Die Griechen kultivierten und die Römer verbreiteten sie. Die kohlehydratreichen Nussfrüchte der Edelkastanie waren die Rettung für Bewohner in kargen Bergregionen. Ein bis zwei Bäume können einen Menschen ein Jahr lang ernähren, heißt es. Brotbaum der Armen – so wurde die Kastanie genannt. Man dankt es ihr nicht so recht. Im Tessin kränkeln 600 Jahre alte Exemplare im Kastanienwald vor sich hin, weil sie nicht mehr gepflegt werden. Vielleicht ändert sich das ja. Denn die glutenfreie Kastanie erobert die Tafeln zurück.