Seit einem Jahr wird das Leben bayerischer Schüler vom Wechsel aus Öffnung und Shutdown, von Präsenz- und Distanzunterricht, von verschobenen Prüfungen, abgesagten Ferien und von neuen Formen des Lernens bestimmt. Ein Überblick.

März 2020

13. März: Bayern schließt alle Schulen für fünf Wochen. Die Maßnahme wird mit der hohen Ansteckungsgefahr, die in Schulen herrsche, gerechtfertigt. In Bayern waren zu diesem Zeitpunkt rund 500 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden.

Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. In der Pandemie will er sich durch energisches Durchgreifen profilieren.
Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. In der Pandemie will er sich durch energisches Durchgreifen profilieren.

16. März:Ministerpräsident Markus Söder ruft den Katastrophenfall aus. Damit bekommt die Staatsregierung umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten. Für die Kinder von Eltern in systemrelevanten Bereichen wird eine Notbetreuung eingerichtet. Das Home-Schooling läuft indes nicht reibungslos an: Hacker legen die Lernplattform Mebis lahm.

18. März: Kultusminister Michael Piazolo verschiebt den Beginn der Abiturprüfungen um knapp drei Wochen. Damit sollen „faire Bedingungen“ hergestellt werden. Trotz des Lockdowns fällt das Abitur in Bayern 2020 am Ende übrigens gut aus. Mit einem Schnitt von 2,25 übertreffen die Abiturienten sogar leicht die Resultate der Vorjahre.

April 2020
Er ist für die bayerischen Schulen zuständig: Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).
Er ist für die bayerischen Schulen zuständig: Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).

1. April: Kultusminister Piazolo verschiebt auch die Abschlussprüfungen an beruflichen Oberschulen und Fachoberschulen um dreieinhalb Wochen von Ende Mai auf Mitte Juni. Die Meldefristen und Zulassungsverfahren an Universitäten wurden ebenfalls verlängert, um einen reibungslosen Start ins Studium zu ermöglichen.

15. April: Deutschlandweit öffnen die Schulen wieder. Beginnend mit den Abschlussklassen und den obersten Grundschulklassen dürfen die Schüler ab dem 4. Mai schrittweise zurück ins Klassenzimmer. In Bayern wird aber erst eine Woche später, ab dem 11. Mai, geöffnet. Diese Abweichung von der Bund-Länder-Linie begründet Ministerpräsident Markus Söder mit der besonders schweren Pandemie-Lage in Bayern.

18. April: Trotz Kritik von Schülervertretungen hält Kultusminister Michael Piazolo am auf den 20. Mai verschobenen Termin für den Start der Abiturprüfungen fest. Bezirksschülervertreter hatten sich darüber beschwert, dass zwischen nachzuschreibenden Klausuren und dem Start der Abiturprüfungen nur vier freie Tage für die Vorbereitung geblieben wären.

27. April: Nach sechs Wochen Pause kehren die Abschlussklassen in die Schulen zurück. Allerdings gelten nun Abstands- und Hygieneregeln. Die Klassen werden verkleinert.

Mai 2020

5. Mai: Das bayerische Kabinett beschließt den Fahrplan aus dem Lockdown für die Schulen. Ab dem 11. Mai kehren die Schüler Schritt für Schritt in den Unterricht zurück. Bis alle Klassen wieder im normalen Schulbetrieb sind, dauert es bis nach den Pfingstferien.

Trotz Abstand und Verzögerung viel das Abitur 2020 gut aus.
Trotz Abstand und Verzögerung viel das Abitur 2020 gut aus.

20. Mai: Bayerns Abiturienten starten mit den Prüfungen. Los geht es im Fach Deutsch, wegen Corona mit besonderen Hygieneregeln. Wer etwa im gemeinschaftlichen Wörterbuch etwas nachschlagen will, braucht wie in Neumarkt Einweghandschuhe.

26. Mai: An der St.-Wolfgang-Mittelschule in Regensburg wird ein Schüler positiv auf Corona getestet. Schüler und Lehrer der Klasse müssen in Quarantäne.

28. Mai: Die nächste Schule in Regensburg ist von Corona betroffen. In der Realschule am Judenstein gibt es einen Fall. Auch die Pestalozzi-Mittelschule und die Städtische Berufsschule II sind Schüler erkrankt. Mehrere Klassen wandern wieder in den Heimunterricht.

Juni 2020
Homeschooling war eine Belastungsprobe für Eltern, Lehrer und Schüler und offenbarte Lücken bei der Digitalisierung.
Homeschooling war eine Belastungsprobe für Eltern, Lehrer und Schüler und offenbarte Lücken bei der Digitalisierung.

15. Juni: Schüler aller Schularten und Jahrgangsstufen kehren zurück ins Klassenzimmer. Für viele ist es der erste Schultag nach drei Monaten Homeschooling.

19. Juni: Sportunterricht ist unter Auflagen wieder erlaubt. Der Hygieneplan des Kultusministeriums sieht für Schulen die gleichen Auflagen wie für Vereinssport vor.

26. Juni: Für die Kinder, deren Eltern ihren Urlaub wegen Corona weitgehend aufbrauchen mussten, organisiert der Bayerische Jugendring im Auftrag des Kultusministeriums Betreuungsangebote in den Sommerferien.

30. Juni: Für 37 000 Realschüler in Bayern beginnen die schriftlichen Prüfungen wegen der Pandemie zwei Wochen später als geplant.

Juli 2020

1. Juli: Auch für die letzten Schüler im Freistaat gibt es wieder Präsenzunterricht an den Schulen. Außerdem dürfen alle Kinder wieder in Kindergärten und Krippen.

23. Juli: Der Deutsche Lehrerverband fordert in einem 10-Punkte-Plan klare Richtlinien für Corona. Der Verband will angesichts wieder steigender Infektionszahlen unter anderem Regeln für den Übergang vom Regel- zum Distanzunterricht.

August 2020

28. August: Corona-Teststrategie: Das Kultusministerium beschließt kostenlose und freiwillige Reihentests für Lehrer.

September 2020

7. September: Das neue Schuljahr beginnt mit Regelunterricht und Hygieneauflagen: An weiterführenden Schulen gilt erstmal auch im Unterricht Maskenpflicht für Schüler und Lehrer.

Im Unterricht gilt jetzt: Maske auf, Abstand halten und Lüften.
Im Unterricht gilt jetzt: Maske auf, Abstand halten und Lüften.

18. September:Kultusminister Piazolo zieht ein erste Bilanz. Der Hygieneplan für den Start ins neue Schuljahr habe sich bewährt. Im Klassenzimmer darf die Maske wieder abgenommen werden.

21. September: Die Lage verschärft sich. In Bayern befinden sich über 8800 Schüler und 771 Lehrer in Quarantäne.

30. September: Die Infektionszahlen steigen. Vor den Herbstferien werden die Corona-Maßnahmen ausgeweitet. Die Schulen bleiben vorerst offen.

Oktober 2020

17. Oktober: In Bayern gilt ab heute ein Corona-Ampelsystem. Überspringt die Inzidenz eines Landkreises 35 Neuinfizierte in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner, gilt in Schulen ab der fünften Klasse Maskenpflicht. Ab einem Inzidenzwert von über 50 gilt eine generelle Maskenpflicht.

22. Oktober: Die Stadt Regensburg und der Landkreis Cham reißen den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen. Der Chamer Landrat Franz Löffler setzt die Maskenpflicht für Grundschüler jedoch aus.

November 2020

2. November:Bayern geht in den Teil-Lockdown. Das öffentliche Leben steht weitgehend still. Anders als im ersten Lockdown bleiben die Schulen aber vorerst geöffnet.

19. November: An Regensburger Schulen treffen die ersten Luftfilter und CO2-Sensoren für die Klassenzimmer ein.

24. November: Bayern zieht die Weihnachtsferien vor. Zwei Schultage fallen weg.

26. November: Der November-Lockdown wird verlängert. In Hotspots müssen Schulklassen ab der achten Jahrgangsstufe ab dem 1. Dezember geteilt werden. Förderschulen und Abschlussklassen sind ausgenommen.

30. November: Erneut verschiebt Bayern die Abiturprüfungen. Wegen der Corona-Krise wird der Beginn der Abiturprüfungen 2021 um knapp 14 Tage von Ende April auf Mitte Mai verlegt.

Dezember 2020

8. Dezember: Ab der achten Klasse gehen Schüler in den Wechselunterricht. Ausnahmen gibt es etwa für Abschlussklassen. Bis zu den Weihnachtsferien dürfen im Wechselunterricht keine Schulaufgaben geschrieben werden.

Bereits Anfang Dezember gehen viele Schüler wieder nach Hause in den Distanzunterricht.
Bereits Anfang Dezember gehen viele Schüler wieder nach Hause in den Distanzunterricht.

13. Dezember: Der zweite Lockdown kommt. Ab dem 16. Dezember werden alle Schulen und Kitas geschlossen. Es soll nur noch Distanzunterricht und Notbetreuungsangebote geben.

Nach neun Monaten Corona funktioniert die Lernplattform Mebis immer noch nicht.
Nach neun Monaten Corona funktioniert die Lernplattform Mebis immer noch nicht.

16. Dezember:Mebis ist ein Totalausfall. Am ersten Tag des Lockdowns schmiert die Lernplattform ab, auch am Folgetag ist sie nur schwer zu erreichen. In den Weihnachtsferien kommt Mebis zur Inspektion, aber auch im neuen Jahr gibt es trotz Verbesserungen immer noch Probleme mit der Plattform.

Januar 2021

5. Januar: Wegen anhaltend hoher Zahlen verständigen sich Bund und Länder darauf, den Lockdown bis Ende Januar zu verlängern. Schulen und Kitas bleiben zu.

7. Januar: Das Kultusministerium stellt ein Maßnahmenpaket für den weiteren Verlauf des Schuljahres vor. An allen Schularten werden die Abschlussprüfungen verschoben. Die Vergabe der Zwischenzeugnisse wird außerdem um drei Wochen nach hinten verlegt.

11. Januar: Nach drei Wochen Weihnachtsferien kehren die bayerischen Schüler in den digitalen Unterricht zurück. Am ersten Schultag registriert Mebis 500 000 erfolgreiche Logins.

19. Januar: Verstörende Videos: In Mainburg und Abensberg werden Schüler auf Lernplattformen von Unbekannten belästigt.

26. Januar: Der Bayerische Elternverband fordert, Grundschulen in Eigenregie über Wechsel- und Präsenzunterricht entscheiden zu lassen.

Februar 2021

1. Februar: Wegen sinkender Infektionszahlen dürfen Abschlussklassen an Gymnasien sowie Fach- und Berufsoberschulen wieder mit dem Wechselunterricht beginnen. Abschlussklassen etwa an Real- und Mittelschulen müssen noch warten, da dort die Prüfungen später geschrieben werden.

Endlich: Allmählich öffnen die Schulen im Februar wieder.
Endlich: Allmählich öffnen die Schulen im Februar wieder.

22. Februar: Auch Grundschulen und Abschlussklassen an Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen und entsprechende Klassen an Förderschulen kehren zum Präsenz- und Wechselunterricht zurück.