Natur

Er ist wieder da

Der Wolf erobert sich seinen natürlichen Lebensraum zurück – auch in Ostbayern. Seine Rückkehr ist umstritten.

Im Sommer 1882 wurde bei einer Treibjagd im Oberpfälzer Fichtelgebirge der letzte seiner Art erlegt. Mehr als 130 Jahre lebte keiner seiner Art mehr in Bayern, doch jetzt ist er zurück: der Wolf. Das Tier, um das sich so viele Sagen und Märchen ranken wie um kaum ein anderes. Das zugleich fasziniert, aber auch für Angst und Schrecken sorgt. Im Nordosten Deutschland ist Isegrim schon länger wieder heimisch. In Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg gibt es inzwischen feste Wolfsbestände. Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr so viele Exemplare gesichtet, wie noch nie: alleine im ersten Halbjahr konnten acht Tiere eindeutig nachgewiesen werden. Damit steht fest: Auch Bayern ist jetzt wieder Wolfsland. 

In Deutschland leben nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz derzeit 46 Rudel, 15 Wolfspaare und vier sesshafte Einzeltiere. In Ostbayern bestätigt das Landesamt für Umwelt (LfU) offiziell die Existenz eines standorttreuen Wolfes im Nationalpark Bayerischer Wald. Seit kurzem steht fest, dass auch auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr zwei Tiere heimisch geworden sind. Auch im Landkreis Neumarkt wollen Jäger und Anwohner schon Wölfen begegnet sein. Auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels hat ein Wolf Anfang Januar eine Hirschkuh gerissen, wie eine DNA-Analyse jetzt bestätigt hat. Der Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald im Landkreis Regen wurde zuletzt zusammen mit einem anderen Tier gesichtet. Experten gehen aufgrund von genetischen Untersuchung der Losung davon aus, dass es sich dabei um ein Weibchen handelt. Die Bildung eines Rudels in der Region wird also immer wahrscheinlicher. Aktuell ist bei de Wölfen Paarungszeit, Welpen kommen in der Regel im Frühjahr zur Welt.

Zeit, Gegner und Befürworter zu Wort kommen zu lassen – ein Faktencheck inklusive.

Wölfe in Ostbayern: Wo sind sie und wie viele gibt es? Klicken Sie sich durch unsere Karte und verfolgen Sie, wie sich das Raubtier in unserer Region verbreitet.

Pro: Faszination und Freude

Für Tier- und Naturschützer ist die Rückkehr des Wolfes eine Erfolgsgeschichte. Die Tatsache, dass ein Tier hierzulande komplett ausgerottet war und nun langsam wieder heimisch wird, zeigt, dass es möglich ist, dem Artensterben ein Ende zu setzen. Sie sind davon überzeugt, dass für den Rückkehrer hierzulande genug Platz und ein Miteinander von Mensch und Tier möglich ist – wenn entsprechende Maßnahmen getroffen werden. 

Die Argumente

  • Der Wolf war in Deutschland komplett ausgerottet. Seine Rückkehr gibt Anlass zur Freude und zeigt, das Arten- und Naturschutz erfolgreich sind.
  • Das Bild vom "bösen Wolf", das über Jahrhunderte in Literatur und Lyrik aufgebaut wurde, ist falsch: Gesunde Wölfe stellen für den Menschen keine Gefahr da. Sie vermeiden Begegnungen mit Zweibeinern. Nur, wenn sie zum Beispiel gefüttert werden, verlieren sie ihre natürliche Scheu. Seit der Wolf in unseren Breitengraden wieder heimisch wird, ist noch kein Angriff auf einen Menschen bekannt geworden.
  • Als großer Beutegreifer kann der Wolf einen wichtigen Beitrag für unser Ökosystem leisten. In unseren Wäldern gibt es zu viel Schalenwild. Die Folge sind Wildschäden in Land- und Forstwirtschaft. Der Wolf trägt jedoch dazu bei, die Bestände zu regulieren. Er frisst Rehe, Wildschweine und Hirsche. Dabei jagt er bevorzugt alte und kranke Tiere. Somit hält er den Wald auch "gesund".
  • Obwohl Deutschland dicht besiedelt ist, findet der Wolf durchaus noch genug Lebensräume, in denen er dem Menschen nicht in die Quere kommt. Besonders geeignet sind der Alpenraum und die Mittelgebirge.
  • Es kommt natürlich vor, dass der Wolf auch Haus- und Weidetiere reißt. Doch es gibt genügend wirksame Schutzmaßnahmen wie Spezialzäune für Schafherden und speziell ausgebildete Herdenschutzhunde. Bei der Umsetzung sollten Tierhalter entsprechende Unterstützung bekommen. Auch Entschädigungszahlungen für gerissene Tiere können dazu beitragen, dass ein konfliktfreies Miteinander von Mensch und Tier möglich ist.  


Miller
NABU-Geschäftsführer Leif Miller Foto: NABU

„Wie, nicht ob wir mit dem Wolf leben können, ist die entscheidende Frage. Wir brauchen keine Diskussion um die Begrenzung der Wolfsbestände, sondern bestenfalls die Optimierung im bestehenden und bewährten Wolfsmanagement. Ziel muss sein, eine flächendeckende Anwendung von standortangepassten Herdenschutzmaßnahmen in Wolfsgebieten noch besser umzusetzen und schnelle, unbürokratische Hilfen für Nutztierhalter möglich zu machen. Dazu gehört auch die Verbesserung der wissenschaftlichen Datenlage zu Umsetzungsdefiziten im Herdenschutz und deren Ursachen. Die Bestandsentwicklung des Wolfes wird rein durch das Nahrungsangebot gesteuert. Dies ist in Deutschland aufgrund der historisch höchsten Reh-, Rot- und Schwarzwildbestände sehr hoch Gründe hierfür sind unter anderem die jahrzehntelange falsch ausgeübte Hege durch die Jägerschaft zur Optimierung von Jagdstrecken und die alarmierenden Fehlentwicklungen durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Wenn die CDU/CSU-Sprecher ihre Verantwortung für die Umweltpolitik ernst nehmen, sollten sie diese Zusammenhänge betrachten. Für die jahrzehntelangen Fehlentwicklungen im Jagdrecht und in der Landwirtschaftspolitik ist die CDU/CSU hauptverantwortlich."

Leif Miller, Geschäftsführer beim Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Andreas von Lindeiner
Dr. Andreas von Lindeiner Foto: LBV

"Es ist der Sache nicht dienlich, wenn an der Forderung von wolfsfreien Zonen oder einer Obergrenze für Wolfsbestände festgehalten wird. Der Wolf entscheidet selber, wo er leben will, und wir sind gefordert, durch die Weiterentwicklung des Managementplans gemeinsam mit allen betroffenen Gruppen tragfähige Lösungsansätze zu erarbeiten, um im Bedarfsfall auf die Anwesenheit des Wolfs gut vorbereitet zu sein."

Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Artenschutzreferent

Ulrich Wotschikowsky
Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky Foto: privat

„Erstens: Die Naturschutzpolitik der EU sieht vor, dass sich Wölfe wieder in den Lebensräumen ausbreiten sollen, in denen sie früher waren. Das haben wir zu akzeptieren. Schließlich sind wir Mitglied in der EU und tragen diese Entscheidung mit. Und deshalb ist die Bundesrepublik verpflichtet, diesem Ziel ebenfalls zu folgen. Zweitens: Ich könnte nicht verstehen, warum wir eine Tierart, die wir davon gejagt und ausgerottet und verfolgt haben, nicht wiederkommen lassen sollen. Wenn es damit Konflikte gibt, werden wir diese Konflikte schon lösen können. Denn wir leben in einem der reichsten Länder dieser Erde und wenn wir von anderen Ländern erwarten, dass sie Löwen und Tiger und Elefanten erhalten, dann ist das erst recht von uns zu erwarten. Es wird die Gesellschaft Geld kosten, weil die Gesellschaft den Wolf zurückhaben will. Den Schäfern dürfen die Kosten dafür nicht aufgebürdet werden. Es gibt ohne Zweifel Schwierigkeiten, aber da sind wir dran – und das ist unsere Aufgabe. Außerdem ist klar: Wölfe sind nicht gefährlich. Wir haben in Europa derzeit 12.000 Wölfe in der Kulturlandschaft und seit mehr als 60 Jahren ist nichts passiert. Wölfe sind weniger gefährlich als ein Spaziergang durch einen Wald, bei dem Ihnen ein Ast auf den Kopf fallen kann. Da können Sie tot sein."

Ulrich Wotschikowsky, Wildbiologe und Wolfsexperte

Im Nationalpark Bayerischer Wald kennt sich niemand so gut mit Wölfen aus wie Dr. Marco Heurich. Wir haben ihn besucht.

Contra: Abwehr und Angst

Vor allem im Bereich der Forst- und Landwirtschaft hat der Wolf naturgemäß wenig Freunde: Bauern und Viehhalter fürchten um ihre Tiere, Jäger um das Wild und die Kontrolle in ihrem Revier. In der Rückkehr eines so großen Beutegreifers, der sich hier ohne natürliche Feinde vermehren kann und der noch dazu unter Artenschutz steht, sehen sie eine ernst zu nehmende Gefahr. Sie fordern Regulierungsmaßnahmen, Obergrenzen und nicht zuletzt die Aufhebung des Abschussverbots, da der Wolf in Deutschland nicht mehr länger als bedrohte Tierart anzusehen sei. 

Die Argumente

  • Wölfe werden von vielen mit dem Hund gleichgesetzt und dadurch verharmlost und verniedlicht. Feststeht aber, dass es sich um ein Raubtier handelt, das unter Umständen auch dem Menschen gefährlich werden kann. 
  • Große Teile Deutschlands sind Kulturlandschaft und dicht besiedelt. Wölfe beanspruchen jedoch Reviere mit einer Größe von bis zu 300 Quadratkilometern für sich. Je weiter sich der Wolf ausbreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in der Nähe von Ortschaften und Siedlungen auftaucht. Sind unsere Haustiere und Kinder dann noch vor ihm sicher?
  • Wölfe gelten vor allem auch wegen der Jahrhundert andauernden Bejagung als scheu. Doch sie sind sehr anpassungs- und lernfähig. Was passiert, wenn sich die Tiere an Menschen gewöhnen, zum Beispiel, weil sie immer wieder gefüttert werden? Auch Jungtiere gelten als neugierig und unbedarft, da der Wolf unter Artenschutz steht und ein Abschuss verboten ist, nehmen sie den Menschen möglicherweise irgendwann gar nicht mehr als Gefahr wahr.
  • Wölfe sind eine ernstzunehmende Bedrohung für Schafe und alle andere Weidetiere, die in und um ihr Revier leben. Im Vergleich zu den Wildtieren, die sonst auf ihrem Speiseplan stehen, sind Schafe für Wölfe leichte Beute. Das werden die lernfähigen Raubtiere schnell erkennen und bevorzugt Weidevieh reißen. Auch die Gegebenheiten der Jagd können dann in vielen Regionen nicht mehr aufrechterhalten werden.
  • Herdenschutzhunde und Entschädigungszahlungen an Schäfer und Rinderhalter sind auf lange Sicht zu teuer und nicht praktikabel. Wir können uns eine unkontrollierte Zuwanderung des Wolfs schlichtweg nicht leisten.
  • Eine Obergrenze des Wolfbestands ist zwingend notwendig. Ein Abschuss – nicht nur bei Problemtieren - darf kein Tabu sein. Der Wolf muss, wie in anderen Ländern auch, wieder gejagt werden, damit sie die Scheu vor dem Menschen nicht verlieren. 
Vocke
Prof. Dr. Jürgen Vocke, Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbands Foto. dpa

"Der Wolf ist kein Kuscheltier. Wir wollen kein Geschäft mit der Angst machen, aber das muss man sich alles nüchtern und sachlich gut überlegen. Wenn der Wolf zurückkommt, können wir die Gegebenheiten der Jagd in vielen Regionen Bayerns nicht mehr aufrechterhalten. Begeistert bin ich davon nicht, aber ich respektiere die Naturschutzgesetze. Ich sage das auch zu meinen Leuten: "Der Wolf steht unter Naturschutz, jegliche Eigenmächtigkeit ist eine strafbare Handlung." Ich bin wirklich gespannt, wie der Wolf bei der dichten Infrastruktur hier in Bayern artgerecht und konfliktfrei leben soll.  Ein Rudel geht dahin, wo es am leichtesten Nahrung findet. Aus meiner Sicht müssten wir dann den halben Freistaat mit Elektrozäunen dicht machen. Das kostet ja auch alles ein unfassbares Geld. Wer kommt zum Beispiel für die ganzen Schäden in unseren Revieren auf? Wenn das wir Jäger sein sollten: Da mach ich nicht mit. Dafür soll dann auch die Allgemeinheit  bezahlen. Auch über eine Abschussquote muss ein Konsens bestehen: Wenn wir Jäger einen Wolf entnehmen sollen, muss die Gesellschaft auch dahinter stehen. Sonst werden wir wieder an den Pranger gestellt."

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbands

Gerd Steinberger
Naturschützer Gerd Steinberger Foto: dpa

„Der Wolf sollte sich nicht wieder ansiedeln dürfen. Als er vor 150 Jahren ausgerottet wurde, wussten wir, was wir getan haben. Die ökologische Tierhaltung können wir vergessen. Wenn sich der Wolf ausgebreitet hat, wird er den Wildbestand dezimieren und dann ist er auf den Haustierbestand angewiesen. Rinder oder Schafe offen zu halten, wird nicht mehr möglich sein. Der Aufwand ist so erheblich, dass die Schäfer dazu auf Dauer nicht in der Lage sind. Der Schäferstand wird aussterben." 

Gerd Steinberger, Bündnis gegen den Wolf

Erhardsberger
Martin Erhardsberger vom Bayerischen Bauernverband Foto: BBV

"Die Rückkehr des Wolfes nach Bayern gefährdet nach Ansicht des bayerischen Bauernverbandes die Weidetierhaltung. So sind in bestimmten Regionen wie beispielsweise dem bayerischen Alpenraum aktuell keine geeigneten Präventionsmaßnahmen vorhanden. In anderen Regionen müssten Schaf-, Ziegen-, Geflügel- aber auch Pferde- und Rinderhalter sowie landwirtschaftliche Gehegewildhalter mit enormem Mehraufwand und Mehrkosten zum Schutz ihrer Tiere rechnen. Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass selbst Schutzmaßnahmen den Wolf nicht davon abhalten, durch Lernprozesse in Gehege einzudringen und sich an Nutztieren zu bedienen. Mittelfristig wird es daher nur Weide oder Wolf geben können. Wir kritisieren auch, dass Grundsatzfragen offen sind. Bislang wurde nicht diskutiert, ob in der dicht besiedelten Kulturlandschaft überhaupt geeigneter Lebensraum vorhanden ist. Dabei darf nicht nur von den Bedürfnissen der Wölfe ausgegangen werden, vielmehr sind auch die Bedürfnisse und die Sicherheit der Bevölkerung im ländlichen Raum und die Ansprüche an eine land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung zu berücksichtigen. Bereits jetzt müssen Regulierungs- und Eingreifmechanismen festgelegt werden, um Probleme wie wir sie mit anderen streng geschützten Arten wie Biber oder Kormoran haben von vorneherein zu verhindern."

Martin Erhardsberger, Referent für Umweltpolitik und Bewertung beim Bayerischen Bauernverband

Sehen Sie in der ZDF-Reportage " Der Wolf vor der Haustür - Ein Raubtier kehrt zurück", welche Probleme Tierhalter mit der Rückkehr des Wolfes haben.

Faktencheck: Fragen und Antworten

Gibt es genügend Lebensraum?

Fakt ist: In Deutschland ist Platz für rund 440 Wolfsrudel – bei einer durchschnittlichen Reviergröße von 200 Quadratkilometern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellrechnung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Wie viel Platz ein Rudel für sich beansprucht, hängt vom Nahrungsangebot ab. Das heißt: Je weniger Beutetiere auf einer Fläche leben, desto größer sind die Wolfsterritorien. 

Für die Kalkulation des BfN wurden zunächst geeignete Lebensräume für den großen Beutegreifer identifiziert. Dabei spielten unter anderem vorhandene Waldanteile, aber auch die Straßendichte eine Rolle. Das Ergebnis: Vor allem in den deutschen Mittelgebirgen, wie beispielsweise dem Bayerischen und dem Oberpfälzer Wald, aber auch dem Fichtelgebirge und dem Alpenraum finden sich für das große Raubtiere ideale Lebensbedingungen.

Aktuell leben in Deutschland nach offiziellen Angaben erst 46 Rudel und 15 Paare, die meisten davon im Nordosten. In Bayern gibt es bislang nur einen standorttreuen Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald. Zwei weitere Tiere werden seit September immer wieder auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr gesichtet. Im November vergangenen Jahres hat eine Wildkamera in einem Erweiterungsstücke des Nationalparks Bayerischer Wald im Landkreis Regen erstmals zwei Wölfe aufgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um ein Pärchen handelt, ist nach Ansicht von Experten relativ hoch, es könnte sich also schon bald ein Rudel bilden. 

Der Wolf kann sich theoretisch schnell ausbreiten: Ein Pärchen bringt es pro Wurf auf sieben bis 14 Jungtiere. Mit der Geschlechtsreife müssen die Tiere das Rudel verlassen und sich ihr eigenes Revier suchen. Dabei legen sie auf ihren Wanderungen pro Nacht Strecken von mehr als 70 Kilometern zurück – und sie lassen sich geografisch nicht eingrenzen: Sie sind flexibel und überleben überall, wo sie genügend Nahrung finden. 

FAZIT: Von Wolfsbeständen, die eine Regulation bzw. ein Eingreifen des Menschen nötig machen, ist man in Bayern aktuell noch weit entfernt. Das könnte sich jedoch in den kommenden Jahren schnell ändern.

Wie gefährlich ist der Wolf?

Fakt ist: Seit der Wolf wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, hat es laut dem Landesamt für Umwelt keinen Angriff auf einen Menschen gegeben. In den letzten 50 Jahren sind in Europa neun tödliche Attacken bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. In weiteren vier Fällen waren die Wölfe vorher angefüttert und damit an den Menschen gewöhnt worden. Zum Vergleich: Von 2007 bis 2009 starben 45 Menschen in Deutschland an Insektenstichen, seit 1989 gab es 40 tödliche Angriffe durch Hunde.

Trotzdem eilt dem Wolf sein schlechter Ruf voraus. Diverse Märchen und Sagen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass Isegrim das Image einer mordenden, heimtückischen Bestie bekommen hat. Völlig zu unrecht, sagen Wolfsexperten: Wölfe sind von Natur aus scheu, meiden die Nähe zum Menschen soweit es geht. Damit das auch so bleibt, ist es jedoch wichtig, dass auch der Mensch sich an gewisse Regeln hält. Dazu gehört unter anderem, das Wölfe auf gar keinen Fall gefüttert werden dürfen. 

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, beachten Sie bitte folgende Regeln:

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren
  • Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher.
  • Füttern Sie niemals Wölfe – die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen. 

(Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt)

FAZIT: Der Wolf stellt aktuell für den Menschen keine ernstzunehmende Gefahr dar. Nichtsdestotrotz ist er ein Raubtier. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass er eines Tages doch einem Menschen gefährlich werden kann. Deshalb werden in den sogenannten Wolfs-Managementplan der Bundesländer bereits entsprechende Vorkehrungen getroffen: Tiere, die sich Menschen gegenüber aggressiv verhalten, dürfen in Ausnahmefällen vergrämt oder abgeschossen werden. 

Kommt uns der Wolf teuer zu stehen?

Fakt ist: Die Rückkehr des Wolfes ist nicht zum Nulltarif zu haben. Wenn Weidehaltung und Wolf nebeneinander existieren sollen, muss viel Geld fließen. Eigentlich stehen auf dem Speiseplan des Wolfs Wildtiere wie Rehe und Rothirsche, gefolgt von Wildschweinen, Dammhirschen, Muffelwild und Hasen. Er ist auf Huftiere spezialisiert, dabei reißt er normalerweise vor allem die schwachen und kränklichen Tiere. Wie andere Beutegreifer trägt er damit zur natürlichen Regulierung des Wildbestands in den Wäldern bei. Soweit die Theorie. 

In der Praxis nutzen Wölfe die für sie am leichtesten zugängliche Nahrung. Ist nicht genügend wildlebende Beute als Nahrungsgrundlage vorhanden, machen sie sich demnach auch über ungeschützte Haus- und Weidetiere her. Die Rückkehr des großen Beutegreifers stellt die Halter also vor große Probleme: Freiweide wird künftig nicht mehr überall möglich sein. Die Haltungsbedingungen müssen angepasst werden. Viele von ihnen sehen ihre Existenz bedroht.

In Brandenburg lebt man schon länger mit dem Wolf. Viele Schäfer haben hier  Konsequenzen gezogen und ihre Herden gesichert. Aber das kostet. "Wenn man das Geld zum Schutz der Schafe hat, ist der Wolf im Allgemeinen nicht das Problem", sagt Knut Kucznik, der Vorsitzende des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg. 

Eine Möglichkeit, die Herde vor einem Wolfsangriff zu schützen, sind sogenannte Herdenschutzäune. Die müssen jedoch bestimmte Auflagen erfüllen, wie beispielsweise eine Höhe von mindestens 1,60 Meter, damit die Raubtiere nicht hinüberspringen können. Diese Zäune sind nicht billig und noch dazu ist nicht jedes Gelände dafür geeignet. 

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Schutzhunde sind ein effektives Mittel, um Wölfe von den Herden fernzuhalten. Foto: dpa

Eine weitere Option ist die Rückkehr zu einer traditionellen Schutzmaßnahme: Der Einsatz von kräftigen Hüteschutzhunden, die die Wolfsabwehr seit Jahren im Blut haben. Doch auch das ist nicht so einfach, wie es klingt. Diese Hund sind nicht mit normalen Hütehunden zu vergleichen. Sie sind aggressiver gegenüber Fremden und können gefährlich werden, wenn sie nicht an den Menschen gewöhnt und entsprechend ausgebildet sind. Auch die Kosten sind nicht zu unterschätzen: ein Herdenschutzhund kostet um die 4000 Euro und rund 1000 Euro Unterhalt im Jahr. Die Länder unterstützen die Schäfer nur beim Kauf von Hunden und Zäunen, die Unterhaltskosten muss jeder selber tragen.

In Bayern hat das Umweltministerium zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium einen Präventionsfonds eingerichtet. Mit diesen Geldern sollen Maßnahmen im Bereich des Herdenschutzes erprobt werden, heißt es beim LfU. Die Halter würden insbesondere auch bei der Integration von Schutzhunden in Herden unterstützt. Außerdem sei gerade ein Förderprogramm zum Herdenschutz in Vorbereitung.

Mancherorts geht man zum Schutz der Herden auch außergewöhnliche Wege, da wo keine Herdenschutzhunde zum Einsatz kommen können. In Niedersachsen testet man beispielsweise gerade Eseln, um Wölfe von den Schafen fernzuhalten. In den USA und der Schweiz hat man damit schon positive Erfahrungen gemacht.

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Ein Esel steht neben einem Elektrozaun und Schafen Foto: dpa

Auch mit den Ausgleichszahlungen für gerissene Tiere ist es so eine Sache: In einigen Bundesländern ist der bürokratische Aufwand für die Halter hoch. In Bayern ist die Voraussetzung für eine Ausgleichszahlung unter anderem eine "eingehende Dokumentation des Fundes und der Begleitumstände durch ein Mitglied des ,Netzwerks Große Beutegreifer' sowie – in begründeten Verdachtsfällen – anschließend eine detaillierte Untersuchung des Tierkörpers durch einen Veterinär". So muss zum Beispiel bei einem gerissenen Schaf erst eine DNA-Untersuchung abgewartet werden, ob tatsächlich ein Wolf das Tier angefallen habe. Das bedeutet mitunter eine Wartezeit von mehreren Wochen, bis Geld fließt. 

In Bayern werden Schäden, die durch Wölfe, aber auch durch andere große Beutegreifer wie dem Luchs, entstehen aus dem "Ausgleichsfonds große Beutegreifer" beglichen. Dabei übernimmt die die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds 80 Prozent der Ausgleichssumme, der Rest kommt von einer Trägergemeinschaft bestehend aus der Wildlandstiftung Bayern, dem Bund Naturschutz, dem Landesbund für Vogelschutz und dem WWF. Tierhalter haben jedoch keinen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung. Die Ausgleichszahlungen werden auf freiwilliger Basis "als akzeptanzfördernde Maßnahme" gewährt, heißt es beim Landesamt für Umwelt (LfU).  

Bislang halten sich die Schäden, die auf Übergriffe von Wölfen zurückzuführen sind, in Bayern in Grenzen. Laut dem LfU gab es in der Oberpfalz in den vergangenen beiden Jahren keinen einzigen Entschädigungsfall. 2015 wurden in den Landkreisen Miesbach und Ebersberg (Oberbayern) insgesamt sechs Schafe gerissen, 2016 im Landkreis Nürnberger Land ein Schaf. Die Nutztierhalter erhielten für diese Fälle Entschädigungen: 2015 beliefen diese sich auf rund 1.500 Euro, 2016 auf rund 300 Euro.  

In Niedersachsen, einem Bundesland , in dem nach Angaben der Landesjägerschaft inzwischen mehr als 80 Wölfe leben, sehen die Zahlen allerdings anders aus: Im Jahr 2016 wurden hier laut einer Statistik des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz rund 140 Weidetiere nachweislich von einem Wolf gerissen. Bei einigen Vorfällen aus dem Dezember steht die Überprüfung noch aus, in anderen ist nicht eindeutig nachweisbar, ob es ein Wolf war oder nicht. Aber: In Niedersachsen gibt es auch mehr Nutztiere auf der Weide als in jedem anderen Bundesland. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ist mit den Maßnahmen des Wolfsmanagements daher trotzdem zufrieden: "Trotz der wachsenden Wolfspopulation in Niedersachsen hat es im Vergleich zum letzten Jahr keine Zunahme von Nutztierrissen gegeben; in einzelnen Bereichen sind die Fallzahlen sogar rückläufig." 

Um die Schutzvorkehrungen vor dem Wolf in der Praxis zu regeln, gibt es auch in Bayern einen Wolfsmanagementplan. Erstellt wurde er vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium – in Zusammenarbeit mit Landwirten und Naturschützern. Die Federführung hat das Bayerische Landesamt für Umwelt. Erklärtes Ziel ist es, mögliche Konflikte zwischen Mensch und Tier, "durch adäquate Rahmenbedingungen und Maßnahmen" zu minimieren. Er beschreibt Kommunikationswege, das Monitoring und die Abwicklung von Ausgleichszahlungen. Der Plan sieht drei Stufen vor: Stufe 1 - zu- und durchwandernde Einzeltiere, Stufe 2 - Standorttreue, wenige Tiere, Stufe 3 - Etablierte Population mit Reproduktion. Im Freistaat hat man inzwischen Stufe 2 erreicht. 

Hier können Sie den "Managementplan Wölfe in Bayern Stufe 2" im Original lesen:

FAZIT: Die Kosten und Schäden, die Tierhaltern durch die Rückkehr des Wolfes entstehen, müssen von der Gesellschaft übernommen werden. Nur so können größere Konflikte zwischen Mensch und Tier vermieden werden. Dabei ist klar: Je mehr Tiere in Bayern leben, desto höher die Kosten. Aktuell klagen die Betroffenen allerdings darüber, dass die Förderungsmaßnahmen nicht ausreichend und der Aufwand für Entschädigungszahlungen zu hoch ist. Hier besteht akuter Handlungsbedarf, wenn die Akzeptanz für den Wolf zunehmen soll. 

Brauchen wir eine Abschussquote?

Fakt ist: Die politische Debatte um wolfsfreie Zonen und eine Abschussfreigabe ist aktuell eine Geisterdiskussion. Der Wolf steht unter Artenschutz und ist sowohl nach deutschem, als auch nach EU-Recht streng geschützt.  Das Bundesumweltministerium schreibt dazu: "Aufgrund des internationalen und europäischen Rechts kann der Wolf aktuell keinem Jagdregime mit Jagdzeiten unterworfen werden." Auch der LBV hält die Forderung nach "wolfsfreien Zonen" für illegal, und außerdem in der Praxis nicht umsetzbar: Denn die Akzeptanz in der Bevölkerung ist eigentlich groß. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Umfrage des NABU aus dem Sommer 2015 nahe. 80 Prozent sprachen sich darin für eine Rückkehr des Wolfes aus. 

Eine Ausnahme dieser strengen Regelung gibt es inzwischen jedoch: Die Wolfsmanagement-Pläne der Bundesländer sehen vor, dass Wölfe, die sich Menschen gegenüber aggressiv verhalten und immer wieder trotz Schutzmaßnahmen Tiere reißen, in Ausnahmefällen vergrämt oder abgeschossen werden dürfen. 

Erst kürzlich wurde im Landkreis Görlitz in Sachsen Jagd auf einen sogenannten „Problemwolf“ gemacht. Er soll sich wiederholt auffällig verhalten haben, sodass die Behörden Abschusserlaubnis erteilt haben. Nachdem er aber über mehrere Wochen nicht erwischt wurde, ist die Freigabe schlussendlich nicht mehr verlängert worden. In Niedersachsen hatte der im Internet liebevoll „Kurti“ genannte Wolf MT6 im Frühjahr vergangenen Jahres für Aufregung gesorgt. Der verhaltensauffällige Rüde wurde Ende April schließlich erschossen. Er war damit der erste und bisher einzige Wolf in Deutschland, der legal getötet wurde. .

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Fakt ist aber auch, dass die Politik in der Debatte um die Rückkehr des Wolfes zunehmend unter Druck gerät: Bislang fehlen bundesweite Konzepte und und eine Zielgröße, wie sich der Wolfsbestand entwickeln soll. Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) möchte jetzt eine "beschränkte Abschussfreigabe" erwirken. Wegen der wachsenden Anzahl an Tieren müsse der Bestand reguliert werden, so das Argument – und zwar bevor es zu akuten Problemen kommt. Das hieße keineswegs, die Wölfe aus Deutschland zu vertreiben, betont das Ministerium. Wo nötig, sollte aber generell der Bestand reguliert werden können, also nicht allein bezogen auf konkrete "Problemtiere". Das könne auch die Konflikte mit den Tierhaltern minimieren, wäre aber regional und nicht bundesweit zu regeln – schon weil es nicht überall Wölfe gibt. 

Die Wölfe und das Recht

Wann darf nach aktueller Rechtslage ein Wolf erlegt werden? 

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt. Ein einzelnes Tier darf nur getötet werden, wenn von ihm entweder eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder wenn ein großer wirtschaftlicher Schaden zu erwarten ist. 

Wer ist zuständig, wenn ein einzelner Wolf getötet werden soll? 

Das jeweilige Landesumweltministerium entscheidet, ob ein einzelner "Problemwolf" getötet werden darf. Das Land ist aber angehalten, die Entscheidung im Einvernehmen mit dem Bund zu treffen. Denn die Bundesregierung müsste sich für Abschüsse, die gegen die EU-Naturschutzrichtline verstoßen, vor der EU-Kommission verantworten. 

Was sagt das Bundesjagdrecht zum Wolf? 

Nichts. Denn der Wolf unterliegt dem Bundesjagdrecht nicht. Nur wenn eine Tierart dem Jagdrecht unterliegt und auch eine Jagdzeit hat, darf sie von Jägern erlegt werden. Sachsen ist seit 2012 das erste und bislang einzige Bundesland, in dem der Wolf unter das Landesjagdrecht fällt, allerdings mit ganzjähriger Schonzeit. Das kommt de facto einem Jagdverbot gleich. Das Bundesumweltministerium hält die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht von Sachsen für verfassungswidrig. 

Wäre eine Bejagung des Wolfes nach EU-Recht möglich? 

Nein, sagt Nabu-Experte Markus Bathen. Zwar habe die EU nichts gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht, da dies zu keiner direkten Abschussfreigabe führt. Allerdings würde die Festlegung von Jagdzeiten, also das Recht für Jäger, Wölfe zu töten, die EU-Behörden auf den Plan rufen. Das Bundesumweltministerium schreibt dazu: "Aufgrund des internationalen und europäischen Rechts kann der Wolf aktuell keinem Jagdregime mit Jagdzeiten unterworfen werden."  (dpa)

Auch in Bayern, wo sich bislang noch kein einziges Rudel gebildet hat, war der Wolf zuletzt Thema im Landtag – und heiß umstritten: Auf der einen Seite stehen CSU und Freie Wähler. Per Dringlichkeitsanträgen forderten sie, den Schutzstatus des Wolfes herabzusenken, damit er leichter abgeschossen werden kann. FW-Chef Hubert Aiwanger ist der Meinung: "Der Wolf lässt sich nicht mehr in unsere dicht besiedelte Kulturlandschaft integrieren." Bei der CSU drückt man es etwas diplomatischer aus: Es gehe nicht darum, den Wolf wieder auszurotten. Nur den Bestand möchte man künftig regulieren können. Die Politiker sagen bei einer unkontrollierten Einwanderung des Wolfes das Ende der bayerischen Almwirtschaft voraus. Weidewirtschaft und Wolf, das könne nicht nebeneinander bestehen. So sieht das auch Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl: "Die Position des Bayerischen Bauernverbandes ist klar: Wenn nötig, muss er (der Wolf) geschossen werden."

Ganz anders sehen das naturgemäß die Genossen von der SPD und die Grünen. Sie sprechen von "populistischer Panikmache". Beide Parteien wollen eine umfassende Aufklärungskampagne, die der Bevölkerung und den betroffenen Landwirten ihre Ängste nimmt – und Ausgleichszahlungen für geschädigte Tierhalter, die unkompliziert und großzügig ausgezahlt werden. 

Die bayerischen Jäger selbst wollen erst schießen, wenn darüber ein allgemeiner Konsens besteht, sagt Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbands: "Wenn wir Jäger ein Tier entnehmen sollen, muss die Gesellschaft auch dahinter stehen. Sonst werden wir wieder an den Pranger gestellt."

So ist es in anderen Ländern

In vielen europäischen Staaten sind Wölfe streng geschützt. Das bedeutet, dass sie weder getötet noch verletzt werden dürfen. Bei Missachtung drohen hohe Geld- und sogar Haftstrafen.

Norwegen: 

2015 sind in Norwegen zwischen 65 und 68 Wölfe registriert worden, mindestens 25 weitere leben im Grenzgebiet zu Schweden. Obwohl der Wolf auf der Liste der bedrohten Tierarten steht, gab die zuständige Behörde im September vergangenen Jahres 47 Tiere zum Abschuss frei. Nach heftigen Protesten von Tierschützern wurde die Zahl auf 15 Wölfe reduziert. 

Schweden: 

415 Wölfe zählte man im Winter 2014/2015 in Schweden. Sie kommen vor allem aus Finnland und Russland. Inzwischen sahen sich die Behörden gezwungen, eine lizenzierte Wolfsjagd zu organisieren. Doch um die Zahl der Tiere, die geschossen werden dürfen, gibt es seitdem Streit. 46 Wölfe sollten es in dieser Saison sein, aber in drei von fünf Wolf-Provinzen wurde die Jagd nach Klagen von Naturschützern per Gerichtsurteil verboten. 

Frankreich: 

Nach Angaben der Bauerngewerkschaft Conféderation Paysanne sind in Frankreich 2015 mehr als 8900 Schafe von Wölfen getötet worden - das seien mehr als doppelte so viele wie 2010. Sie fordern eine höhere Abschussquote. In der laufenden Saison dürfen in Frankreich bis zu 36 Wölfe mit Ausnahmegenehmigungen getötet werden, wenn sie große Schäden in Zuchtbetrieben anrichten. 

Schweiz: 

In der Schweiz haben Wölfe eine bestimmte Anzahl Risse frei, dann können die Kantone Abschussgenehmigungen erteilen. 

FAZIT: Eine Abschussfreigabe ist aktuell rechtlich noch nicht möglich und aus Sicht von Experten auch noch nicht nötig: Bislang leben in Bayern nur vereinzelt Wölfe. Sollten sie sich weiter ausbreiten und ein gesicherter Bestand im Freistaat leben, könnten - wie bei anderen Wildtieren auch - jedoch tatsächlich Regulierungsmaßnahmen nötig werden, denn der große Beutegreifer vermehrt sich schnell. "Problemtiere" dürfen mit Sondergenehmigung schon jetzt geschossen oder vergrämt werden. Das soll dazu beitragen, Konflikte zwischen Mensch und Tier zu vermeiden.

Quiz und Umfrage

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Wolf und testen Sie ihr Wissen über die Tiere mit unserem Quiz.

Text & Recherche: Nina Schellkopf & Mario Geisenhanslüke

Grafiken, Videos und Animationen: Inge Brunner & Mario Geisenhanslüke

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