Verkehr

A3 und A93 – Die Hauptschlagadern der Oberpfalz

Die beiden Bundesautobahnen sind die bedeutendsten Verkehrsachsen der Region. Wie viele Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs? Wo passieren die meisten Unfälle? Wo staut es sich? Eine Analyse.

Wäre die Oberpfalz ein Organismus, dann wären die A93 und die A3 die Hauptschlagadern. Auf den beiden Bundesautobahnen rauschen täglich zehntausende Fahrzeuge durch die Region. Pendler kommen so an ihren Arbeitsplatz und wieder nach Hause, Güter zu den Unternehmen oder von dort zum Kunden, Reisende an ihr Ziel. Das Autobahnkreuz (AK) Regensburg, an dem die beiden Verkehrsadern aufeinandertreffen, ist das pulsierende Herzstück, das den Verkehr in alle Himmelsrichtungen verteilt.  

"Wir sind sehr abhängig davon, dass der Verkehr funktioniert." Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg

Viele große Unternehmen haben sich in der Oberpfalz niedergelassen. Regensburg ist eine Top-Wirtschaftsregion und durch die EU-Osterweiterung ist der Wirtschaftsraum weiter gewachsen. Wie wichtig sind die Autobahnen für die Industrie? Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, sagt: "Wir sind sehr abhängig davon, dass der Verkehr funktioniert."

Die wirtschaftliche Bedeutung der beiden Autobahnen für die Region zeigt sich im stetig steigenden Verkehrsaufkommen. Der Transitverkehr hat stark zugenommen, das wachsende Exportgeschäft lässt den Containerverkehr anschwellen, und auch der regionale Wirtschafts- und Freizeitverkehr haben sich in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert. Die höhere Belastung des Verkehrsnetzes ist auch auf den beiden Autobahnen deutlich zu spüren: Mehr Verkehr bedeutet mehr Unfälle und mehr Staus. Oft ist die Kapazitätsgrenze erreicht oder sogar überschritten, das hat auch die IHK festgestellt. Helmes sagt: "Regensburg ist nicht nur zu den Stoßzeiten ausgelastet. Wenn irgendetwas schief geht, beispielsweise am Pfaffensteiner Tunnel, auf der A3 oder der A93, haben wir direkt sehr große Staus."

Die wichtigsten Informationen über beide Autobahnen haben wir in je einem Video für Sie zusammengefasst. Klicken Sie auf das jeweilige Schild und starten Sie das Video.

Die hohe Auslastung lässt sich auch mit den Daten der 929 Dauerzählstellen belegen, die die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) an allen Autobahnen installiert hat. Demnach waren 2015 im Schnitt fast 56.000 Pkw täglich auf der A3 zwischen Neumarkt und Rosenhof unterwegs, wobei der Verkehr in Richtung Regensburg stetig anschwillt. Während die Zählstelle bei Neumarkt rund 38.500 Fahrzeuge pro Tag registriert, sind es am Autobahnkreuz Regensburg Ost fast doppelt so viele (circa 76.600). Die A93 zwischen Wernberg-Köblitz und Siegenburg passieren jeden Tag rund 49.000 Fahrzeuge. Auch da konzentriert sich der Verkehr am Kreuz Regensburg: Hier wurden täglich rund 70.000 Fahrzeuge gemessen, weiter südlich in Siegenburg sind es nur noch knapp 26.500. 

Der Anteil des Schwerverkehrs ist mit mehr als 10.800 Fahrzeugen auf der A3 deutlich höher als auf der A93 (circa 5600 Fahrzeuge) – und liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Besonders belastet ist die Strecke zwischen Nittendorf und Rosenhof. 

Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt aller Zählstellen lag 2013 bei 47.600 Kfz in 24 Stunden und rund 7090 Lkw. Daran lässt sich erkennen, dass die A3 und die A93 an manchen Stellen überdurchschnittlich stark befahren werden. Das erhöht wiederum das Risiko von Unfällen und Staus. 

Symbol Unfall
Auf den Oberpfälzer Autobahnen haben sich 2015 insgesamt 2778 Unfälle ereignet. (Foto: Baumgarten)

Drei Autobahnen führen durch die Region: die A93, A3 und die A6. Auf ihnen haben sich laut Polizeipräsidium Oberpfalz im vergangenen Jahr 2778 Unfälle ereignet. Das heißt, es kracht gut sieben Mal pro Tag. Das ist ein Anstieg um rund 100 Unfälle gegenüber 2014. Nur 2007 und 2010 gab es noch mehr. Im Vergleich zu allen anderen Straßenklassen ereignen sich auf den Autobahnen jedoch die wenigsten Unfälle. Zwölf Personen sind 2015 auf Oberpfälzer Autobahnen ums Leben gekommen. Das sind fünf mehr als im Vorjahr. 630 Personen wurden verletzt.

Pentnling Bad Abbach Altrofoto De
Besonders in und um Regensburg staut es sich auf den Autobahnen besonders häufig. (Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de)

Bei den Staus zeigt sich 2014 und 2015 ein zweigeteiltes Bild: So haben sich die Staumeldungen, die der ADAC protokolliert, auf der A3 zwischen Oberölsbach und Deggendorf (beide Fahrtrichtungen) mehr als halbiert. Während 2014 rund 5500 Staus gemeldet wurden, waren es 2015 nur noch knapp 1700. Die neusten Daten des ADAC für das Jahr 2016 zeigen, dass die Zahl der Staus auf der A3 wieder deutlich angestiegen sind: Rund 6750 Mal kam der Verkehr zum Stocken. 

Auf der A93 zwischen Pechbrunn und Mainburg hat das Staugeschehen kontinuierlich  zugenommen: 2014 staute es sich insgesamt rund 1950 Mal, 2015 2800 Mal. Im vergangenen Jahr vermeldet der ADAC für diesen Bereich rund 3900 Staumeldungen. 

Schwerpunkt des Staugeschehens ist aber auf beiden Autobahnen und in allen drei Jahren der Großraum Regensburg. 

Die Datengrundlage

Um die beiden Autobahnen A3 und A93 genauer zu analysieren, haben wir mit folgendem Datenmaterial gearbeitet: 

  • Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) - Daten der automatischen Zählstellen auf Autobahnen und Bundesstraßen, Verkehrszählung 2015: Auf Deutschlands Autobahnen werden an automatischen Zählstellen alle Fahrzeuge permanent gezählt. Auf dieser Basis werden Jahresfahrleistungen und durchschnittliche tägliche Verkehrsstärken (DTV) berechnet. Das Zählstellennetz auf Bundesfernstraßen umfasst zurzeit 1744 Zählstellen, 929 davon auf Autobahnen.
  • ADAC - Staudaten für die Jahre 2014/2015/2016: Der "Allgemeine Deutsche Automobil-Club" erhebt jedes Jahr relativ detailliert die Daten zu Staus auf deutschen Autobahnen. Mit diesen bestücken sie auch den Staukalender oder erstellen ihre Wochenendprognose. Geliefert werden die Daten dem ADAC aus verschiedenen Quellen, wie beispielsweise von der Polizei, den Verkehrs- und Baubehörden sowie den eigenen ADAC-Staumelder. Von besonderer Bedeutung sind die Geschwindigkeitsdaten von Fahrzeugen (sogenanntes floating car data (FCD)).
  • Polizeipräsidium Oberpfalz: Zahl der Unfälle auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Oberpfalz für die Jahre 2014/2015
  • Autobahndirektion Süd/Nordbayern: Unfallhäufungen auf den Autobahnen A3 und A93. Bayernweit gibt es 107 Expertengremien, die sich mit gefährlichen Straßen und unfallträchtigen Stellen beschäftigen. Als Basis dienen die sogenannten Unfalltypenkarten, in denen alle drei Jahre die von der Polizei erfassten Unfälle verzeichnet werden. So lassen sich auf einen Blick jene Stellen erkennen, an denen es zu Unfallhäufungen kommt. 
  • Anmerkung der Redaktion: Um eine Vergleichbarkeit der Werte zu gewährleisten, haben wir uns bei der Analyse auf die Statsitiken von 2014 und 2015 beschränkt, da uns für diese Jahre zum Veröffentlichtungszeitpunkt alle Datensätze im vollen Umfang vorlagen. Für das Jahr 2016 gibt es bislang nur die Staudaten des ADAC, die wir der Vollständigkeithalber an verschiedenen Stellen aufgeführt, aber nicht in die Auswertung miteinbezogen haben. Unfalldaten und Daten zum Verkehrsaufkommen werden erst in den kommenden Monaten veröffentlicht.

Auf Grundlage dieser Daten haben wir insgesamt sechs Autobahnabschnitte ausgewählt und unter die Lupe genommen. Eine detaillierte Analyse finden Sie in den folgenden Abschnitten.

Das problematische Nadelöhr: Pfaffensteiner Tunnel

Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Der Pfaffensteiner Tunnel: Durch dieses Nadelöhr der A93 muss jeder, der aus Regensburg heraus, nach Regensburg hinein oder auch einfach nur an Regensburg vorbei will. Und wie im menschlichen Körper sorgt auch im Verkehrsnetz eine verengte Hauptschlagader für erhebliche Probleme: Der Verkehrsfluss kommt besonders in den Morgen- und Abendstunden regelmäßig ins Stocken, was oft einen Verkehrsinfarkt im gesamten Stadtgebiet zur Folge hat. 

2015 fuhren im Schnitt jeden Tag 68.300 Fahrzeuge durch den Tunnel. Die Belastung ist enorm, da dieser sowie die anschließende Donaubrücke nicht nur vom Fern-, sondern auch vom städtischen und regionalen Verkehr als Donauquerung genutzt wird. Belastungsspitzen sind am Morgen und am Abend sowie am Freitag erkennbar – eben zu den Stoßzeiten, in denen besonders viele Berufs- und Wochenendpendler unterwegs sind.

Fakt ist, dass deren Zahl in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen ist. Die Statistik der Stadt Regensburg wies für 1995 noch gut 51.000 Einpendler aus, zuletzt (Stichtag 30. Juni 2015) waren es mehr als 73.000. Zusammen mit mehr als 17.000 Auspendlern – die meisten davon in den Landkreis Regensburg, aber immerhin auch rund 1500 nach München und weitere 2800 ins restliche Oberbayern – bewegen sich an jedem Arbeitstag also rund 90.000 Menschen in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Dazu kommen fast 40.000 interne Pendler. Das sind Regensburger, die auch in der Stadt arbeiten. Und ein Großteil von ihnen muss durch den Pfaffensteiner Tunnel.

Unsere Grafik gibt einen Überblick über den Pendelverkehr nach Regensburg:

Die Folgen sind: ein sich aufbauender Stau in Fahrtrichtung Süd am Morgen sowie in Fahrtrichtung Nord am Abend und etwa ab Freitagmittag, der sich regelmäßig auf das Straßennetz der Domstadt auswirkt. 

So wurden dem ADAC im Jahr 2015 in Fahrtrichtung Holledau an der Anschlusstelle Paffenstein insgesamt 230 Staus mit einer Gesamtlänge von 301 Kilometern und einer Dauer von 4923 Minuten gemeldet – umgerechnet gut 82 Stunden. In Fahrtrichtung Weiden/Hof waren es im Tunnelbereich 258 Staumeldungen mit einer Gesamtlänge von 303 Kilometern und einer Dauer von sogar 10.324 Minuten (172 Stunden). 

An der Anschlussstelle Pfaffenstein standen Autofahrer 2015 insgesamt 254 Stunden im Stau.

Am Pfaffensteiner Tunnel zeigen sich sehr deutlich zwei verkehrspolitische Kernprobleme Regensburgs. Erstens: Der Verkehr nimmt drastisch zu. Zweitens: Gleichzeitig fehlen Brücken zwischen der Stadt und ihrem nördlichen Umland. Wenn es im und um das Nadelöhr eng wird, fehlen großräumige Umfahrungsmöglichkeiten. Zusätzliche Spangen und Brücken wären nötig – doch hier gibt es erheblichen Widerstand. 

Eine mögliche Entlastung wäre der Bau der geplanten Sallener Regenbrücke. Damit und mit dem Umbau des Lappersdorfer Kreisels sowie dem Ausbau der Nordgaustraße könnte für Pendler aus dem nordwestlichen Landkreis mit dem Ziel nordöstliches Stadtgebiet und Osttangente eine Alternativroute zum Tunnel geschaffen werden. Die IHK fordert außerdem einen Ausbau der Osttangente bis zur B15 nach Regenstauf und weiter zur A93. Dadurch gäbe es eine weitere Verbindung zu den Gewerbegebieten im Südosten Regensburgs. Doch wann die Südspange samt Regenbrücke umgesetzt werden kann, ist nicht abzusehen. Zuletzt sorgte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) für einen Paukenschlag, als er von der Regierung der Oberpfalz als Planfeststellungsbehörde eine Umweltverträglichkeitsprüfung nachforderte. Fachleute gehen davon aus, dass sich das Projekt dadurch noch einmal um bis zu zwei Jahren verzögern könnte. 

Dabei wäre eine Alternativroute dringend notwendig – und zwar in absehbarer Zukunft: In den kommenden zehn bis 15 Jahren muss die Innenhülle des Pfaffensteiner Tunnels nämlich komplett saniert werden. Im Zuge dessen soll dann auch geprüft werden, ob die beiden Röhren noch Platz für eine dritte Fahrspur bieten. 

Außerdem wäre eine weitere Donauquerung dringend notwendig, um den Verkehr auf der A93 zu entspannen. Eine Parallelbrücke für den Stadtverkehr, eine Brücke bei Sinzing oder Kneiting, waren im Gespräch. Doch bislang ist noch keine zufriedenstellende Lösung für Regensburgs Nadelöhr gefunden.

Immerhin wird an der A93 zwischen den Anschlussstellen Regensburg-Süd und Regensburg-Nord derzeit schon eine sogenannte durchgehende Streckenbeeinflussungsanlage (SBA) errichtet. Die Anlage kostet 12,4 Millionen Euro und soll Ende des Jahres einsatzbereit sein und dafür sorgen, dass die Verkehrsinfarkte auf der Autobahn, aber auch im Stadtgebiet weniger werden. Außerdem wird es unter anderem möglich sein, flexibel auf verschiedene Verkehrssituationen in den beiden Tunnels zu reagieren. So können etwa unterschiedliche Geschwindigkeiten, Fahrstreifen- oder Tunnelsperrungen und Überholverbote angezeigt werden.

An der Anschlussstelle (AS) Regensburg-West regelt eine Signalanlage bereits die Auffahrt auf die A93 in Richtung Hof. Kommt es zu einem Stau auf der Autobahn, verhindert eine Ampel, dass Fahrzeuge von der Clermont-Ferrand-Allee aus im Pulk in den zähfließenden Verkehr einfahren und damit schlagartig alles verstopfen. Solche Anlagen sind außerdem bei der AS Kumpfmühl und der AS Prüfening in Fahrtrichtung Hof sowie der AS Königswiesen in Fahrtrichtung Holledau geplant. Die neuen Zuflussregelungsanlagen sollen gemeinsam mit der SBA in Betrieb genommen werden. 

Das pulsierende Herz: Autobahnkreuz Regensburg

Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Das Herzstück. Der Engpass. Das Kreuz. Hier treffen die beiden Hauptschlagadern der Oberpfalz aufeinander und verschmelzen in vier Schleifen miteinander. Aus vier Richtungen rollen jeden Tag Blechlawinen auf Regensburg zu, treffen hier aufeinander und verteilen sich wieder. Das Herzstück – immer kurz vor dem Infarkt. Das Kreuz mit dem Kreuz.

Allein 57.016 Autos und 10.004 Lkw pro Tag zählt die automatische BASt-Zählstelle auf der A3 westlich vom Kreuz. Im Osten sind es sogar 76.595 Pkw (13.864 Lkw). Das ist die höchste Verkehrsdichte, die auf den beiden Autobahnen in der Oberpfalz erreicht wird. Im Norden rauschen auf der Autobahn 93 immerhin 70.230 Autos und 6608 Lkw in 24 Stunden vorbei. Nur im Süden auf der A93 gibt es keine Zählstelle direkt am Kreuz. Die nächste ist bei Siegenburg, doch auf Grund der vielfältigen Auf- und Abfahrmöglichkeiten zwischen Siegenburg und Regensburg können diese Daten nicht mit denen am Kreuz verglichen werden.

Zehntausende Autos. Jeden Tag. Morgens strömt der größte Teil auf Regensburg zu, nach Feierabend geht es hinaus. Dazu kommen Tonnen von Waren, die ein schier endloser Strom von Lastwagen über die A3 in die Industrieviertel der Domstadt hinein transportiert oder von dort in die Welt befördert. Tendenz steigend. 

Unsere Grafik zeigt Ihnen, wie sich die Verkehrsströme am Kreuz Regensburg auf die A3 und die A93 verteilen.

Ak Regensburg Neu

So kommen die beiden Autobahnen im Großraum Regensburg regelmäßig an ihre Belastungsgrenze. Die Folge: Im Jahr 2015 zählte der ADAC 421 Staus, die ihre Ursache am Kreuz Regensburg hatten. Insgesamt standen Autofahrer hier 14.178 Minuten im Stau. Das sind neun Tage, 20 Stunden und 18 Minuten. Und das gesamte Staugeschehen summierte sich auf eine Gesamtlänge von 932 Kilometern, was ungefähr der Strecke von Regensburg bis in die dänische Hauptstadt Kopenhagen entspricht.

"Das AK Regensburg ist ein Problembereich", sagt auch Jürgen Berlitz, Fachreferent für Straßenverkehrsplanung beim ADAC: "Dort treffen der städtische Verkehr und der Fernverkehr zusammen. Dazu kommt der Pendlerverkehr. Außerdem gibt es eine hohe Anschlussstellendichte."

Die Daten zeigen zudem die zwei großen Problemkinder: die A3 in Richtung Nürnberg und die A93 in Richtung Weiden. Beide übertreffen hinsichtlich Anzahl, Länge und Dauer der Staus ihre jeweilige Gegenrichtung um fast das Dreifache.

"Das AK Regensburg ist ein Problembereich." Jürgen Berlitz, Fachreferent für Straßenverkehrsplanung beim ADAC

Zu den Staus wegen der zu hohen Verkehrsbelastung kommen die Unfälle. Wer nach "Autobahnkreuz Regensburg" bei Google sucht, bekommt Seite für Seite Unfallberichte. Einige Beispiele: Im Oktober 2016 krachten fünf Fahrzeuge aufeinander. Im Mai war die A93 nach einem Lkw-Unfall sieben Stunden lang gesperrt. Im Juli sorgte ein Auffahrunfall für ein Verkehrschaos.

Das pulsierende Herz von A3 und A93 steht kurz vor einem Infarkt. So würde es der Mediziner nennen, vom Dauerstau spricht der genervte Pendler. Und jetzt? 

Kreuz
Die Grafik zeigt eine halbdirekte Verbindungsrampe von der A93 Nord zur A3 Ost. (Visualisierung: Inge Brunner)

Schon das Verkehrsgutachten für den Großraum Regensburg aus dem Jahr 2005 hatte für das Kreuz zwei mögliche Lösungsansätze aufgezeigt. Damals hieß es: Durch die Überlagerung der starken Über-Eck-Ströme komme der Verkehr insbesondere auf der A3 in Fahrtrichtung Passau regelmäßig zum Erliegen. Deshalb schlugen die Experten vor, eine halbdirekte Verbindungsrampe von der A93 Nord zur A3 Ost zu bauen (siehe Grafik), um den Verkehrsfluss etwas zu entspannen. Ein weiterer Lösungsvorschlag war der Bau von parallelen Verteilerfahrbahnen.

Zumindest eine Verbesserung ist aber in Aussicht: der sechsspurige Ausbau der A3 auf 13 Kilometern zwischen Nittendorf und Regensburg. Davon erhoffen sich Experten auch eine Entlastung für das überlastete Herz der beiden Autobahnen.

Die Aorta der Industrie: AS Universität bis Neutraubling

Foto: MZ-Archiv/Lex

Durchschnittlich jeden Tag mindestens ein Stau: Nirgendwo in der Oberpfalz stehen Autofahrer so oft und so lange Stoßstange an Stoßstange wie auf dem Autobahnabschnitt zwischen dem Kreuz Regensburg und der Anschlussstelle Neutraubling. In Fahrtrichtung Nürnberg wurden dem ADAC 2015 in diesem Bereich 1197 Staus gemeldet – Gesamtdauer: 29.758 Minuten. Das entspricht gut 496 Stunden oder mehr als 21 Tagen; Gesamtlänge: 2380 Kilometer. In der Gegenrichtung sind die Zahlen nicht ganz so dramatisch, aber immer noch hoch: 447 Staus, 10.549 Minuten, 1042 Kilometer. Auch 2014 sah es nicht viel besser aus. 

Ein Stauschwerpunkt war dabei die Anschlussstelle Regensburg-Universität. In Fahrtrichtung Nürnberg staute es sich 2015 hier 284 Mal, 2014 sogar 380 Mal, in die Gegenrichtung 230 (2015) beziehungsweise 308 Mal (2014). In Fahrtrichtung Nürnberg zählt außerdem die Anschlussstelle Regensburg Ost zu den Problemkindern: Mehr als 300 Staus pro Jahr wurden hier gemeldet. 

Auf dieser Karte können Sie ablesen, wie oft und wie lange es sich auf der Strecke zwischen dem AK Regensburg und der AS Neutraubling 2014 und 2015 gestaut hat. Fahren Sie dafür einfach mit Cursor oder Finger auf die Markierungen. 

Die Staudaten des ADAC

  • Die ADAC-Staudaten werden aus verschiedenen Quellen generiert. Dazu zählen Polizei, Verkehrs- und Baubehörden, die eigenen ADAC-Staumelder und Geschwindigkeitsdaten von Fahrzeugen (sogenanntes floating car data (FCD)).
  • Insbesondere die Telematik- und Navigationsgeräte sowie Apps liefern Echtzeitdaten von sich im Verkehr bewegenden Fahrzeugen. Durch die anonymisierte Auswertung der gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten lassen sich Staus sowie deren Auflösung bei freiem Verkehr erkennen. Damit kann für das gesamte Straßennetz der Verkehrsfluss berechnet werden. 
  • Die Staumeldungen enthalten neben der Länge in der Regel auch die Stauverlustzeit sowie die Stauursache.

Doch warum staut es sich ausgerechnet in diesem Bereich so häufig? In den vergangenen Jahren gab es – von der Stadionbaustelle neben der AS Universität einmal abgesehen – keine größeren Baustellen, die für Behinderungen sorgten. Auch die Unfalldaten des Polizeipräsidiums Oberpfalz liefern noch keine ausreichende Erklärung: In Fahrtrichtung Passau krachte es 2015 zwischen dem Kreuz Regensburg und der AS Wörth a.d. Donau 249 Mal, in der Gegenrichtung 192 Mal. 

Die meisten Staus werden nach Ansicht von Verkehrsexperten aber ohnehin nicht durch Baustellen und Unfälle verursacht. "Die häufigste Ursache ist bundesweit mittlerweile zu hohes Verkehrsaufkommen. Das hängt allerdings auch sehr stark von der Region ab. Im Großraum München ist sicherlich überproportional das hohe Verkehrsaufkommen schuld an den vielen Staus, im Raum Regensburg auch", sagt Jürgen Berlitz, Fachreferent für Straßenverkehrsplanung beim ADAC.  

Verkehr Stau Grafik2

Auf dem Teilabschnitt der A3 zwischen AK Regensburg und Neutraubling ist die Verkehrsbelastung sogar extrem hoch: 76.595 Fahrzeuge pro Tag zählt die BASt-Zählstelle am Autobahnkreuz Regensburg Ost. Das ist der höchste Wert aller Zählstellen in der Oberpfalz. An der Anschlussstelle Regensburg Ost sind es 65.293 und an der Anschlussstelle Rosenhof immerhin noch 55.836 Fahrzeuge. Bemerkenswert ist außerdem der hohe Anteil an Schwerverkehr: 13.864 Lkw wälzen sich jeden Tag am AK Regensburg Ost vorbei, 11.330 an der AS Regensburg-Ost und 11.048 an der AS Rosenhof. 

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Dieser Streckenabschnitt der A3 ist die Hauptachse für den Transitverkehr in die Gewerbe- und Industriegebiete im Regensburger Osten. An der Autobahn zwischen der AS Regensburg-Universität und AS Neutraubling liegen viele wichtige Logistikzentren. Aber nicht nur Güter müssen hierher gebracht oder abtransportiert werden, auch die zahlreiche Pendler wollen zu ihren Arbeitsplätzen. Die größten Arbeitgeber der Region sind im Regensburger Osten angesiedelt. 

Um die A3 in diesem Bereich zu entlasten, setzt die IHK auf verschiedene Lösungen. So gilt es vor allem den Güterverkehr mehr auf die Schiene, aber auch auf das Wasser zu verlegen. Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes sagt:  "Das Zauberwort heißt trimodaler Verkehr." 

Die direkte Anbindung Regensburgs an den eigentlich nahe gelegenen Münchner Flughafen, die sogenannte Neufahrner Kurve, ist bereits im Bau und soll 2018 fertig werden. Eine weitere Forderung: der Ausbau der Schienenverbindung nach Passau/Wien, um die Kapazitäten für den Güterverkehr zu erweitern. Und auch zu Wasser sollten bessere Bedingungen geschaffen werden, um die Rolle der Binnenschifffahrt im Gütertransport zu stärken. "Wir haben uns sehr für den Ausbau der Donau stark gemacht", sagt Helmes. Denn es müsste eine ganzjährige Befahrbarkeit der Donau bei voller Beladung und mit kalkulierbaren Fahrtzeiten gewährleistet sein. Bislang stellt der Abschnitt Straubing-Vilshofen aber eine Art Flaschenhals in der internationalen Rhein-Main-Donau-Wasserstraße dar. Leider habe sich die Staatsregierung vorerst jedoch gegen einen Ausbau entschieden. Deshalb sei es, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer, jetzt umso wichtiger, das Autobahnnetz zu erweitern.

"Das Zauberwort heißt trimodaler Verkehr." Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer IHK Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim

Nur durch eine Verbreiterung auf sechs Streifen kann der Verkehr auf der A3 besser fließen. Deshalb wird das Autobahnnetz nun tatsächlich ausgebaut: Die gesamte Strecke zwischen Nittendorf und Rosenhof, insgesamt 27,1 Kilometer, wird sechsstreifig. Für die Region war das im Sommer wahrscheinlich die beste verkehrspolitische Nachricht des Jahres. Zwar war der Ausbau der A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof bereits Anfang 2016 in die oberste Kategorie des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen worden. Doch den Ausbau westlich des Autobahnkreuzes hatte das Bundesverkehrsministerium als unwirtschaftlich abgelehnt. 

Im Juli dann die Kehrtwende: Die A3 wird auch auf den 13 Kilometern zwischen Nittendorf und Regensburg sechsstreifig ausgebaut. Konkret wurde das Teilstück im Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan in die oberste Kategorie „Vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“ aufgenommen. Der Bund investiert für das komplette Projekt insgesamt 371,2 Millionen Euro – gut 257 Millionen Euro davon gehen in den Erhalt, fast 114 Millionen Euro in den Ausbau der A3.

Doch so schnell werden die Bagger nicht anrollen. Denn im langwierigen Genehmigungsverfahren für den Ausbau der A3 zwischen Regensburg und Rosenhof ist gerade erst ein weiterer Schritt getan worden. Die Regierung der Oberpfalz hat in den Erörterungsterminen alle Einwände nochmals aufgenommen, um diese jetzt zu prüfen. So wie es aussieht, kann daher frühestens im Sommer 2017 Baurecht erteilt werden. Der Ausbau der A3 wird danach etwa vier Jahre dauern. Der Grund: Von den 21 Kreuzungsbrücken müssen 16 neu gebaut werden.

Der zweite Abschnitt vom AK Regensburg bis zur AS Nittendorf, samt dem Neubau der Sinzinger Autobahnbrücke, wird erst längerfristig zu realisieren sein, denn dafür müssen noch die Planungen eingeleitet werden. Ein Selbstläufer wird dieses Großprojekt nicht. Denn schon jetzt regt sich Widerstand.

Der Unfallschwerpunkt: AS Rosenhof bis Wörth

Foto: MZ-Archiv/Lex

"In der Nacht auf Freitag kippte auf der Autobahn 3 zwischen den Anschlussstellen Rosenhof und Wörth/Wiesent ein Sattelzug um. Die Autobahn war für mehrere Stunden gesperrt." Fast sechs Monate sind seit dem letzten großen Unfall auf einem der gefährlichsten Teilstücke der A3 vergangen, doch an Meldungen wie diese hat man sich längst gewöhnt. Zwischen der Anschlusstelle Rosenhof und Wörth a.D. Donau kracht es besonders häufig. Trauriger Rekord im Frühjahr 2014: In nur sieben Wochen hat es 42 Unfälle gegeben. 

Aber reine Unfallzahlen reichen Polizei und Verkehrsexperten nicht aus, um einen Straßenabschnitt als "potentiell gefährlich" einzustufen und etwaige Gegenmaßnahmen in Betracht zu ziehen. Mit dem Begriff "gefährlich" arbeitet man natürlich auch nicht, man spricht von sogenannten Unfallhäufungen. Das sind "örtlich begrenzte Bereiche, die durch eine erhöhte Konzentration von Unfällen auffällig sind". 

Was bedeutet der Begriff "Unfallhäufung"?

  • Die Arbeit der Unfallkommissionen (bestehend aus Polizei, Verkehrsbehörde und Straßenbaulastträger) bei der Unfallbekämpfung stützt sich auf sogenannte Unfallhäufungen. 
  • Die Zentralstelle für Verkehrssicherheit der Straßenbauverwaltung analysiert alle polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle in Bayern und erzeugt daraus digitale Unfallkarten. 
  • Alle drei Jahre werden die Unfälle nach festgelegten Kriterien zu unfallauffälligen Straßenbereichen zusammengefassst. 
  • Die Kriterien für die Definition eines Bereiches als Unfallhäufung hängen von zahlreichen Faktoren ab. Neben der Straßenklasse (Autobahn, Bundesstraße, Staatsstraße etc.) sind die jeweiligen Betriebsformen (z.B. ein-, zwei- oder mehrstreifige Fahrbahn, etc.), die Untersuchungslänge (unterschiedliche Streckenlänge für einzelne Straßenklassen) sowie das Unfallgeschehen selbst (Anzahl und Schwere des durch Verkehrsunfälle entstandenen Personenschadens und/oder Unfalltyp) für eine entsprechende Einstufung relevant. 
  • Obwohl diese Stellen zusammen nur zehn Prozent des Straßennetzes einnehmen, passieren etwa die Hälfte aller schweren Unfälle dort.

Für den Abschnitt Rosenhof – Wörth wurden in Fahrtrichtung Passau drei Unfallhäufungen ermittelt. Eine so hohe Einstufung gibt es an keinem anderen Straßenabschnitt in der Oberpfalz. In der Gegenrichtung sind es immerhin noch zwei Unfallhäufungen. Genauere Untersuchungen durch die Unfallkommissionen zu den Ursachen erfolgen erst in den kommenden Monaten. Die meisten Unfälle sind nach Angaben der Autobahndirektionen aber sogenannte Fahrunfälle. Das heißt, es gibt in der Regel nur einen Unfallbeteiligten. Das Fahrzeug kommt aus verschiedenen Gründen, zum Teil wegen nicht angepasster Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab. Der zweite Typ sind "Unfälle im Längsverkehr", was bedeutet, dass Fahrzeuge in gleicher Fahrtrichtung kollidieren. Zu den Ursachen gehören Spurwechsel, Fehler beim Überholen und Auffahrunfälle. Das Verkehrsaufkommen – so kurz hinter dem Ballungsraum Regensburg und den großen Gewerbegebieten – ist bei Rosenhof immer noch relativ hoch: 55.836 Fahrzeuge misst die BASt-Zählstelle hier pro Tag, sowie 11.048 Lkw. 

Ein weiterer möglicher Grund sind die viele Baustellen in den vergangenen Jahr. Auch auf diesem Teilstück der A3 wurde an verschiedenen Stellen die Fahrbahn erneuert. An den dadurch entstandenen Fahrbahnverengungen kam es immer wieder zu schweren Unfällen. 

Eine Verbreiterung auf drei Spuren pro Fahrtrichtung könnte auf dieser unfallträchtigen Strecke der Autobahn 3 Abhilfe schaffen und den Verkehrsfluss wesentlich entspannen. Doch im aktuellen Bundesverkehrswegeplan ist der sechsstreifige Ausbau der A3 nur bis Rosenhof als "vordringlicher Bedarf" eingestuft. 

Dennoch ist davon auszugehen, dass die Strecke aufgrund der festgestellten Unfallhäufung von Verkehrsexperten zeitnah genauer analysiert und durch entsprechende Maßnahmen entschärft werden wird. Wie diese aussehen könnten und wann sie umgesetzt werden, lässt sich derzeit noch nicht vorhersagen. 

Alle drei Jahre werden die aktuellen Unfallzahlen in Unfallkarten erfasst. Darauf lassen sich besonders unfallträchtige Stellen erkennen. In unserer Karten sehen Sie die großen Unfallschwerpunkte auf den Autobahnen A3 und A93. Fahren Sie mit Cursor oder Finger auf die hinterlegten Streckenabschnitte für weitere Informationen.

A93 Teublitz Archiv
Auch auf der A93 zwischen Teublitz und Ponholz haben die Experten in Fahrtrichtung Regensburg zwei Unfallhäufungen festgestellt. (Foto: MZ-Archiv)

Auch auf der A93 findet sich nördlich von Regensburg ein Bereich, in dem sich auffällig viele Unfälle ereignen. Die Verkehrsexperten haben zwischen den Anschlussstellen Teublitz und Ponholz in Fahrtrichtung Regensburg zwei Unfallhäufungen ermittelt. Davon gibt es in der gesamten Oberpfalz zwar mehrere, doch ist an dieser Stelle das Verkehrsaufkommen bei Weitem nicht so hoch, wie beispielsweise im Großraum Regensburg. Die letzte BASt-Zählstelle liegt gut elf Kilometer nördlich auf Höhe der AS Schwandorf Mitte. Hier werden täglich knapp 44.000 Fahrzeuge gemessen. Da sich dazwischen jedoch nur die AS Schwandorf Süd befindet, dürfte die Anzahl im Bereich Teublitz-Ponholz nicht signifikant höher sein. 

Warum sich in diesem unterdurchschnittlich frequentierten Bereich trotzdem relativ viele Unfälle ereignen, darüber gibt es derzeit bei der Autobahndirektion Nord "noch keine detaillierten Erkenntnisse". Die Ursachen sollen in den kommenden Monaten durch die Unfallkommission näher untersucht werden. Auch in diesem Bereich werden aber vor allem sogenannte Fahrunfälle (Verlust der Fahrzeugkontrolle ohne Einwirken eines anderen Fahrzeugs) registriert.

Die Verbindung zum Osten: Kreuz Oberpfälzer Wald

Foto: MZ-Archiv/Winter

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die Oberpfalz in die Mitte Europas gerutscht. Die Verkehrsverbindungen zwischen Ost und West haben dadurch enorm an Bedeutung gewonnen. Durch die Öffnung der Märkte hat auch das Verkehrsaufkommen deutlich zugenommen. Im September 2008 wurde die letzte Lücke auf der Autobahn zwischen Nürnberg und Prag geschlossen. Seitdem verteilt das Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald den Verkehr zwischen der A93 und der A6. Damals sagte Regierungspräsidentin Brigitta Brunner anlässlich der Freigabe: "Damit geht eine enorme Aufwertung des gesamten Standorts Oberpfalz einher. Die Oberpfalz wird damit zur internationalen Drehscheibe bedeutender Waren- und Güterströme und des Personenverkehrs zwischen Ost und West."

Fast zehn Jahe später kann IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes das nur bestätigen: Der Bau dieses zweiten Autobahnkreuzes habe einen wichtigen Impuls für die Oberpfalz gegeben. Sehen könne man dies an der Ansiedlung der Gewerbegebiete in unmittelbarer Nähe des AK Oberpfälzer Wald. "Dieses Autobahnkreuz, das an der goldenen Straße nach Prag für uns die Verbindung in die osteuropäischen Länder darstellt, ist für unsere Betriebe eine wirklich wichtige Drehscheibe", so Helmes.

"Dieses Autobahnkreuz, das für uns die Verbindung in die osteuropäischen Länder darstellt, ist für unsere Betriebe eine wirklich wichtige Drehscheibe." Dr. Jürgen Helmes, IHK-Hauptgeschäftsführer Regensburg

Nicht ganz zehn Jahre nach dem Bau werden an der BASt-Zählstelle auf der A93 am AK Oberpfälzer Wald Süd 34.401 Fahrzeuge pro Tagen gemessen. Auf der A6 ist das Verkehrsaufkommen noch deutlich geringer: Am AK Oberpfalz West rauschen täglich 17.120 Fahrzeuge vorbei, am AK Oberpfälzer Wald Ost sind es 18.346. Beim Schwerverkehr halten sich die beiden Autobahnen jedoch die Waage: Zwischen 5250 und 5800 Lkw werden an den vier Zählstellen gemessen. Dennoch gehört das Autobahnkreuz bislang noch zu den am schwächsten frequentierten in ganz Deutschland. 

Unsere Grafik zeigt Ihnen, wie sich die Verkehrsströme am Kreuz Oberpfälzer Wald auf die A6 und die A93 verteilen.

Ak Oberpfaelzer Wald Neu

Trotzdem ist vor allem die A93 rund um das zweite Autobahnkreuz der Oberpfalz 2015 oft von Staus geplagt gewesen: In Fahrtrichtung Regensburg wurden dem ADAC zwischen Wernberg-Köblitz und Pfreimd insgesamt 390 Staus gemeldet, das sind fast neunmal so viele wie im Vorjahr (44 Staumeldungen). Ganze 15.678 Minuten ging auf diesem Streckenabschnitt gar nichts mehr, die Staulänge summierte sich auf 667 Kilometer. 

Der Grund dafür ist schnell gefunden: Die A93 zwischen Weiden und Regensburg ist in den vergangenen Jahren zur Dauerbaustelle mutiert. Sie ist einer der Hauptschauplätze der Straßenausbauprogramme von Bund und Freistaat Bayern in der Region. Denn vor allem der Schwerverkehr hat der Oberpfälzer Hauptverkehrsader stark zugesetzt. Der Fahrbahnbelag muss sukzessive erneuert werden. Im Sommer 2015 war beispielsweise der Abschnitt zwischen dem Kreuz Oberpfälzer Wald und der AS Pfreimd an der Reihe. Die Fahrbahn war zeitweise auf nur eine Fahrspur verengt. Eine markante Zunahme des Staugeschehens war daher abzusehen, auch die Unfälle zwischen den AS Luhe Wildenau und Pfreimd haben – wie zu erwarten – zugenommen: 2015 hat es laut Polizeipräsidium Oberpfalz demnach 71 Mal gekracht, 2014 im Vergleich dazu nur 40 Mal. 

Ein Ende des Baustellen-Marathons auf der maroden A93 ist nicht in Sicht: Auch zwischen den Anschlussstellen Pfreimd und Schwarzenfeld wird seit 2014 der Belag erneuert (siehe nächster Abschnitt "Verkehrshindernis Baustelle")

Verkehrshindernis Baustelle: AS Neumarkt bis Laaber

Foto: dpa

Die beiden Hauptschlagadern der Oberpfalz sind in die Jahre gekommen. Der Abschnitt der A3 zwischen Neumarkt und Regensburg ist in den Sechziger Jahren gebaut worden, die A93 zwischen Weiden und Regensburg hat auch schon 30 Jahre oder mehr auf dem Buckel. Eine Fahrbahn hält im Schnitt aber nur 15 bis 20 Jahre, eine Brücke 70 Jahre. Es ist also höchste Zeit für ein paar Operationen: Viele Trassenabschnitte und Autobahnbrücken wurden und werden derzeit saniert. Knackpunkt bei überfälligen Straßenreparaturen seien nicht fehlende Finanzen, sagt Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Süd: „Engpass bei der Erneuerung der Infrastruktur ist die Leidensfähigkeit der Autofahrer. In den vergangenen Jahren wurde viel zu wenig gemacht." Ostbayerns Pendler brauchen also gute Nerven. Denn: "Baustellen verursachen rund ein Drittel aller Staus. Das dürfte aber mittlerweile durch die gestiegene Bautätigkeit mehr geworden sein", sagt Jürgen Berlitz vom ADAC. Betroffen sind meist beide Fahrtrichtungen, auch wenn nur auf einer Seite gebaut wird, weil vom Gegenverkehr eine Fahrbahn abgeknapst werden muss. "In der Regel sind die Autobahnen so hoch belastet, dass die Sperrung einer Fahrspur zwangsläufig zum Stau führt", so Berlitz. 

"Baustellen verursachen rund ein Drittel aller Staus." Jürgen Berlitz, Fachreferent für Straßenverkehrsplanung beim ADAC

Die A3 zwischen Neumarkt und Laaber ist schon seit einiger Zeit zur Dauerbaustelle mutiert. Kontinuierlich werden hier verschiedene Streckenabschnitten saniert und unter anderem der Fahrbahnbelag erneuert. Aktuell wird beispielsweise zwischen den Anschlussstellen Neumarkt und Neumarkt Ost eine neue Autobahnbrücke gebaut und gleichzeitig auf vier Kilometern die Fahrbahn erneuert. Baubeginn war im März, bis Ende November sollte alles fertig sein. Kostenpunkt: 5,5 Millionen Euro. Auch wenige Kilometer südlich – zwischen Velburg und Parsberg – wird auf einer Länge von fünf Kilometern die Fahrbahn saniert und zudem die Talbrücke Geigerhaid erneuert. Hier brauchen Autofahrer noch länger Geduld, denn die Brücke soll erst im kommenden Sommer fertig werden. Gesamtkosten: etwa 16,5 Millionen Euro.

Unsere interaktive Grafik zeigt Ihnen, an welchen Stellen auf Ostbayerns Autobahnen aktuell gebaut wird. Wenn Sie mit Cursor oder Finger auf die Streckenabschnitte klicken, erhalten Sie weitere Informationen.

Die Baumaßnahmen auf der A3 sorgen für einen deutlichen Anstieg der Staumeldungen beim ADAC: So staute es sich an in Fahrtrichtung Nürnberg an den Anschlussstellen Velburg und Parsberg 2015 insgesamt mehr als 400 Mal, im Vorjahr aber nur 35 Mal. 17.661 Minuten Geduld wurden den Autofahrern hier abverlangt, die Staus summierten sich auf knapp 1400 Kilometer.

Im vergangenen Jahr war die Baustelle zwischen der Anschlussstelle Neumarkt und Neumarkt Ost der Stauschwerpunkt schlechthin: In Fahrtrichtung Nürnberg wurden alleine an der AS Neumarkt 707 Staus mit einer Gesamtlänge von 1565 Kilometern und einer Gesamtdauer von 20.760 Minuten gemeldet.

Außerdem haben die Baustellen zu einem deutlichen Anstieg der Unfälle im Bereich der Autobahnpolizei Parsberg geführt: So sind 2015 bei insgesamt 386 Verkehrsunfällen zwischen Oberölsbach und Laaber 89 Personen verletzt worden. Das ist ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Unfallschwerpunkt war laut Polizei unter anderem eine Baustelle zwischen Parsberg und Velburg. Die Baustelle war vom 20. April bis zum 25. Juni eingerichtet. In diesem relativ kurzen Zeitraum passierten im Baustellenbereich aber insgesamt 45 Unfälle. 

Jürgen Berlitz vom ADAC erklärt: "Selbst wenn man die Zahl der Fahrspuren in einem Baustellenbereich beibehält, sind diese meist deutlich schmaler. So kommt es schneller zu Touchier-Unfällen." Das seien zwar meist leichtere Unfälle, aber in einer Baustelle gäbe es praktisch keine Möglichkeit, um zur Seite zu fahren. "So können auch kleinere Unfälle zu längeren Staus führen."

A93 Baustelle Schwarzenfeld Wilfurth
2017 lässt die Autobahndirektion Nordbayern auch den Abschnitt südlich von Schwarzenfeld sanieren. (Foto: MZ-Archiv/Wilfurth)

Auch auf der A93 zwischen dem Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald (siehe oben) und Schwarzenfeld werden seit einiger Zeit immer wieder einzelne Teilabschnitte saniert. Heuer im Frühjahr rückte der Autobahnabschnitt zwischen Schwarzenfeld und Nabburg in den Fokus der Autobahndirektion Nordbayern. Auf dem maroden Teilstück aus den 70er Jahren wurde in Fahrtrichtung Nabburg auf einer Länge von 3,7 Kilometern die Decke saniert. Die Anwohner freut es, schließlich bekommt die Fahrbahn hier eine lärmdämmende Deckschicht. Die moderne Bitumenmischung drückt die Lautstärke des Verkehrslärms um bis zu vier Dezibel nach unten. Im Herbst war dann – mit einiger Verzögerung – auch die Gegenfahrbahn dran. Alles andere, die restlichen 2,5 Kilometer bis Nabburg und rund 1,2 Kilometer nach der Anschlussstelle Schwarzenfeld Richtung Schwandorf, wurde auf 2017 verschoben. 

Doch des einen Freud, ist des anderen Leid: Durch die Baumaßnahmen müssen immer wieder verschiedene Teilabschnitte der Oberpfälzer Hauptverkehrsachse gesperrt werden, der Verkehr verengt sich dadurch auf je eine Fahrspur. Für die Autofahrer bedeutet das: Stau ist vorprogrammiert. So ging 2014 und 2015 vor allem rund um die Anschlussstelle Pfreimd, Ausgangspunkt der vorangegangenen Baumaßnahmen, oft gar nichts mehr: In Fahrtrichtung Weiden wurden 2014 insgesamt 136 Staus gemeldet, in Fahrtrichtung Regensburg an dieser Stelle 2015 sogar 140. 

Und es geht weiter: Die Autobahndirektion Nordbayern will die Deckensanierung fortsetzen, irgendwann bis in den südlichen Landkreis Schwandorf. Aber dafür gibt es noch kein Konzept.

Unsere Grafik zeigt Ihnen, an welchen Stellen auf der A93 wann gebaut wird. 

Baustellen A93

Die Zukunft?

Foto: picture alliance / obs / Skoda Auto Deutschland GmbH

Auf den beiden Hauptschlagadern der Oberpfalz haben sich viele Probleme angestaut. Manche davon lösen sich von selbst, wie beispielsweise die vielen Baustellen. Wenn die marode gewordenen Straßen in den kommenden Jahren fertig saniert sind, haben die Autofahrer für die nächsten Jahrzehnte erst einmal Ruhe. Auch der Ausbau der A3 bei Regensburg wird auf lange Sicht für Entlastung sorgen, doch die langwierigen und schwierigen Bauarbeiten dürften zunächst für weitere Verkehrsprobleme in und um die Domstadt sorgen. Der Pfaffensteiner Tunnel ist und bleibt ein Sorgenkind. Dabei wäre es wichtig, dass sich auch hier zeitnah etwas tut, denn: Der Verkehr wird nicht weniger werden. 

Davon geht auch ADAC-Verkehrsexperte Jürgen Berlitz aus. Die Schiene hält er für keine wirkliche Alternative: "Wenn man sieht, welch großer Teil des Güterverkehrs auf der Straße abgewickelt wird, würde selbst ein deutlicher Zuwachs auf der Schiene nur zu einer geringen Reduzierung auf der Straße führen. Man wird an vielen Stellen die Straßen also einfach ausbauen müssen." 

Neue Mobilitätskonzepte – wie das automatisierte Fahren – könnten in Zukunft helfen, überlastete Verkehrswege zu entlasten. Davon ist auch Berlitz überzeugt: "Aber es ist noch ein langer Weg, der viele Fragen aufwirft."

Text und Recherche: Nina Schellkopf & Mario Geisenhanslüke
Grafiken, Karten und Videos: Inge Brunner, Nina Schellkopf & Mario Geisenhanslüke 

Kapitel
Tunnel Pfaffenstein AK Regensburg AS Uni-Neutraubling AS Rosenhof-Wörth AK Oberpfälzer Wald AS Neumarkt-Laaber Die Zukunft
Teilen