nr. sieben

Artenvielfalt unter Zeltdächern

Ob minimalistisch oder ausufernd mit Wohnzimmergarnitur – wir beschreiben sieben Zeltplatz-Typen in ihrer natürlichen Umgebung.

Rund um Pfingsten schießen sie wie Pilze aus dem gut gepflegten Rasen: die Camper mit ihren Zelten. Die einen reisen mit großem Auto und an einem Haufen Gepäck an - Bügeleisen und Teppich dürfen in ihrem Hauszelt auf keinen Fall fehlen. Andere brauchen nur ein Taschenmesser  – und fertig. Es gibt aber auch die Spezialisten, die sich mit ihrer ausgeklügelten Hightech-Ausrüstung abseits der Zivilisation durchschlagen - so lange die Multifunktions-LED-Taschenlampe Akku hat. Und welcher Camping-Typ sind Sie? Wir stellen sieben Exemplare in freier Wildbahn vor.

Der Minimalist mit Taschenmesser

Weniger ist mehr!“ Den Minimalisten trifft man überall dort, wo er die Natur in vollen Zügen genießen kann – je abgelegener, desto besser. Er beschränkt sich auf das Nötigste: einen kleinen Rucksack gefüllt mit wenigen Kleidungsstücken, Zahnbürste, Zahnpasta, Taschenlampe und Insektenspray. Natürlich darf auch das Ein-Mann-Zelt samt Schlafsack und Isomatte nicht fehlen. Das wichtigste Utensil für den Minimalisten ist das Taschenmesser: Durch seine Multifunktionalität erweist sich dieses als idealer Reisebegleiter – ob zum Schneiden von Ästen für das Lagerfeuer oder zum Öffnen von Dosen. Technische Geräte sind für ihn ein absolutes No-Go, der Minimalist will die Natur mit allen Sinnen erfahren und in sich gehen, ganz ohne Ablenkung. Der minimalistische Zeltler trägt häufig tagelang dieselbe Kleidung, bestehend aus einer funktionellen Zip-Off-Hose, einem T-Shirt und einer Regenjacke. Auf seinem Abenteuer in der Natur hofft er auf Gleichgesinnte zu treffen. (Text: Laura Reich)

Der Maximalist mit Bügeleisen

Viel ist nicht viel genug!“ Der Maximalist ist für jede Situation gewappnet. Man findet ihn auf normalen Zeltplätzen, aber auch abgelegene in der Natur meidet er nicht. Er ist meist mit großem Auto, einem riesen Rucksack, mehreren Beuteln und einer Bauchtasche unterwegs. Neben dem obligatorischen Nähwerkzeug und einem Bügeleisen findet man bei ihm auch Abendgarderobe – man weiß ja schließlich nie, wohin der Weg einen führt. Wenn man neben dem Maximalisten zeltet, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Essen für sieben Tage bei einem geplanten Ausflug von drei Tagen sind für ihn überlebenswichtig. Mehrere Ersatzakkus, -haken und -socken hat er immer griffbereit. Diese spezielle Art des Zeltens findet man oft bei alleinstehenden Männern, die versuchen, alles im Blick zu haben und der perfekte Zeltnachbar zu sein. Nicht zuletzt denken sie auch an alles: Der neue Freund hat morgen Geburtstag? Kein Problem, ein Geschenk hat der Maximalist immer dabei – nur für alle Fälle. (Text: Eva Fürst)

Der Trekker mit Taschenlampe

Der Trekker ist ein Individuum, das sich allein oder in Gruppen auffinden lässt. Sein Territorium ist meist abseits der Zivilisation in unberührter Natur, im Flachland oder Hochgebirge. Der Trekker reist mit leichtem Gepäck, festem Schuhwerk, aber nie ohne Taschenlampe und nächtigt unter den Sternen mit Biwak oder Zelt. Seine Kleidung ist multifunktional, weshalb er nach mehrtägiger Reise stets versucht, sich gegen den Wind zu platzieren (um fremde Arten nicht zu verstören). Gekocht wird mit Benzin- oder Gaskocher, bestenfalls auch mit Trockenholz und Reisig. Ein Aluminiumtopf mit Deckel dient als: Topf, Pfanne, Schüssel, Teller und Becher. Die Erscheinung des Trekkers ist typischerweise hager mit drahtigen Muskeln und sonnengebräunter Haut – außer um die Augen – und auf dem Kopf trägt er ein Capy oder eine Bandana. Falls Sie einem Trekker in der Wildnis begegnen, brauchen Sie keine Angst zu haben, er ist harmlos. Ein freundlicher Gruß wird meistens erwidert und angebotenes Wasser auch gerne angenommen. (Text: Michael Bartel)

Der Zeltlager-Fahrer mit Teddy

Der Zeltlager-Fahrer kommt meist in den Schulferien zum Vorschein. Getrieben von der Abenteuerlust kreuzt er im Rudel unter seinen Gleichaltrigen auf, ihre Anführer sind für das Bändigen und die Nahrungsaufnahme zuständig. Bepackt mit Badehose, Taschenlampe und zu wenig frischen Socken treibt es ihn einmal im Jahr in die Wildnis; bei dem ein oder anderen Abenteurer lugt noch das Ohr eines Teddys aus dem Rucksack hervor. Bei Tageslicht ist der Zeltlager-Fahrer kaum zu sehen: Er kriecht mit zerrissenen Hosen durch das dichte Gestrüpp oder verteidigt tapfer mit aufgeschlagenen Knien die eigene Lagerfahne. Erst gegen Abend kehrt langsam Ruhe zwischen den bunten Zelten ein und das Rudel wird vom Duft des Stockbrotes über dem knisternden Lagerfeuer und den Gitarrenklängen angelockt. (Text: Julia Kronawitter)

Der Alt-Hippie mit Hängematte

Auf der Suche nach dem Glück vergangener Tage ist der Alt-Hippie. Mit einem gerade noch verkehrstüchtigen Bus tuckert er Richtung Südeuropa, wo er die Gassen des Städtchens San Juan auf Ibiza und die Täler der Kanareninsel La Gomera schon so gut kennt wie das Muster seiner Leinenhose. Äußerlich fällt er durch die rauen Hände, die ungebändigte Behaarung sowie die ausgewaschenen, weiten Hemden auf. Ein Utensil, auf das er ungern verzichtet, ist die Hängematte. Auf ihr lässt er zwischen zwei Bäumen sanft schaukelnd die Seele baumeln. Sonne und wilde Partys haben sein Gesicht gebräunt und gegerbt. Abends sitzt er am Lagerfeuer, trinkt seinen bewährten Merlot und raucht selbstgedrehte Zigaretten (in die sich gerne auch andere Zutaten verirren). Sein Gemüse kocht er auf einem 30 Jahre alter Campingkocher, denn das Wegwerfen von Dingen, die ja noch gut sind, lehnt der Alt-Hippie prinzipiell ab. Für ihn ist es das Größte, bei Sonnenaufgang barfuß aus dem Zelt zu stolpern und sich seiner Meditation hinzugeben. (Text: Ramona Dinauer)

Unter unseren Zeltplanen

Typen, Menschen, Marotten und die große Freiheit auf kleinem Raum: Ein Kurs des Studiengangs „Medien und Kommunikation“ der Universität Passau hat, betreut von der MZ, ein facettenreiches Dossier über das Zelten erstellt. 

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Bei Problemen war „Zeltplatz-Chef“ Gerd Kronawitter sofort zur Stelle. Er hat aber nicht nur positive Erlebnisse gesammelt. Zum Interview mit dem 72-Jährigen geht es hier! 

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Der Festivalbesucher mit Dosenravioli

Er muss widrige Umstände ertragen. Inmitten von Uringeruch und Dauerbeschallung schläft, isst und trinkt der Festivalbesucher drei bis vier Tage. Komfort und Hygiene sind ihm egal. Seine Notdurft verrichtet er im Dixi-Klo. Um sein Umfeld ertragen zu können, hilft Alkohol. Zum Aufstehen ein Radler, danach Bier – wahlweise in einem Zug durch eine Trichtervorrichtung. Wenn der Camper so viel getrunken hat, dass er gerade noch stehen kann, geht er zum Konzert. Ausgestattet mit skurriler Kopfbedeckung und Sonnenbrand. Vor der Bühne grölt er jeden Text mit, als wäre er der Sänger. Ob er die Lieder kennt, spielt keine Rolle. Abends fällt er in sein Zelt. Die harte Iso-Matte fühlt sich für ihn an wie ein Fünf-Sterne-Himmelbett. Sechs Stunden später frühstückt er Ravioli und Dosenbier. (Text: Gabriel Bub)

Die fünf größten Festivals Deutschlands

  • Rock am Ring: 92 000 Besucher rockten dieses Jahr den Nürburgring in der Eifel. Am ersten Tag wurde das Festival aufgrund einer Terrorwarnung unterbrochen. Die Laune ließen sich die Musikfans davon nicht verderben.
  • Rock im Park: Das Zwillingsfestival von Rock am Ring findet zeitgleich mit den gleichen Bands statt. 79 500 Fans bevölkerten für ein Wochenende das Zeppelinfeld in Nürnberg.
  • Wacken Open Air: Harte Töne schallen Anfang August durch die 2000-Einwohner-Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein. Heuer haben sich beim größten Heavy Metal Festival der Welt unter anderem Volbeat, Marilyn Manson, Status Quo und Amon Amarth angekündigt. Vergangenes Jahr kamen 75 000 Metal-Fans.
  • Hurricane: Letztes Jahr hatten die 73 000 Besucher des Hurricane Festivals in Scheeßel in Niedersachsen Glück im Unglück: Trotz schlechten Wetters wurde das Festival nicht abgebrochen. Im Gegensatz zu seinem Schwesterfestival…..
  • Southside: …..dem Southside. 60 000 Fans waren fast umsonst nach Neuhausen ob Eck am Bodensee gekommen. Freitagabend wurde die Veranstaltung wegen eines schweren Unwetters unterbrochen, am Samstag kam die endgültige Absage. Die Besucher bekamen einen Großteil des Eintrittspreises erstattet.(Text: Gabriel Bub)
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Ein Huhn als Kopfbedeckung hat sich dieser Rock-im-Park-Besucher ausgesucht. Was er wohl aktuell ausbrütet? Foto: Konstantin Seitz

Die Großfamilie mit Wäscheleine

Die Familie mit mehr als fünf Kindern kennt nur ein Urlaubsziel: den Campingplatz. Vater und Mutter haben zwar nur mäßig Lust auf Zelten, aber wenn man so viele Köpfe zählt, geht es nicht anders. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, Naturverbundenheit zu vermitteln. Das Zelt der Großfamilie erkennt man an der überfüllten Wäscheleine davor. Markante Merkmale der Eltern: gestresster Blick, Schweißfilm auf der Stirn, bequemste Kleidung. Außerdem wichtig: Bauchtaschen! Die Sonnencreme, Schutzfaktor 50, soll griffbereit sein. Die Kinder der Großfamilie verkörpern jedes Stadium der menschlichen Entwicklung vor dem Erwachsenenalter: das quengelnde Kleinkind, der neugierige Grundschüler, das pubertierende Mädchen mit Zahnspange und der genervte 15-Jährige, der abends mit anderen Jugendlichen chillt und heimlich ein Bier trinkt. (Text: Thilo Eggerbauer)

Die Autorinnen und Autoren dieser Texte studieren Medien und Kommunikation an der Universität Passau. In ihrem Studiengang absolvieren die Studierenden ein Praxisseminar „Zeitungsjournalismus“.

Die Redaktion der Mittelbayerischen Zeitung betreut und begleitet diese Übung seit mehreren Jahren. Dieses Mal gestalteten die Teilnehmer des Kurses eine Ausgabe der „nr. sieben“ über das Thema „Zelten“.

Illustration: Lissi Knipl-Zörkler, MZ

Kapitel
Minimalist Maximalist Trekker Zeltlager Alt-Hippie Festivalbesucher Großfamilie
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