Ungelöste Mordfälle

Ihr Schicksal ist noch ungeklärt

Drei weitere mysteriöse Fälle beschäftigen die Polizei in Ostbayern: Maria Baumers Leiche wird im Herbst 2013 gefunden. Von Anna Poddighe und Kerstin Langley fehlt seit Jahren jede Spur.

Maria Baumer, Kerstin Langley und Anna Poddighe – eine ist tot, die andere beiden Frauen werden seit Jahren vermisst. Was sie gemeinsam haben: Ihr ungeklärtes Schicksal beschäftigt die Kripo-Beamten in der Oberpfalz. Ihre Fälle gehören zu jenen, die bis heute noch ungelöst sind. Im Fall Maria Baumer gerät ihr Verlobter ins Visier der Ermittler.  Das letzte Lebenszeichen von Kerstin Langley stammt aus dem Sommer 2007. Anna Poddighe aus Amberg verschwindet im Juni 2012 spurlos. Sind auch sie Opfer eines Verbrechens geworden?

Diese Fälle wurden von uns bewusst in der Serie "Ungelöste Mordfälle in Ostbayern" nicht einzeln und im Detail aufbereitet, weil nicht mit letzter Gewissheit sicher ist, dass es sich um ungelöste Mordfälle handelt. Im Fall von Maria Baumer laufen außerdem noch sehr konkret die Ermittlungen. Ein "cold case" ist dieser Fall daher nicht. Im Folgenden haben wir die Fälle deshalb kurz zusammengefasst und zum jeweils aktuellen Bericht auf mittelbayerische.de verlinkt.

Der Fall Maria Baumer

Ein Anruf am 26. Mai 2012 um 9 Uhr ist das letzte Lebenszeichen von Maria Baumer. Ab diesem Zeitpunkt ist die junge Frau aus Muschenried wie vom Erdboden verschluckt. Ihr Familie hat keine Erklärung für das plötzliche Verschwinden der 26-Jährigen. Nichts wird unversucht gelassen, um sie zu finden. Auch in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ ist der mysteriöse Fall Thema. 

Der Fall Maria Baumer war 2012 Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" (ca. ab Minute 50:00)

Vor allem den daraufhin eingehenden Hinweis, die Vermisste könnte auf dem Jakobsweg unterwegs sein, nimmt die Polizei sehr ernst. Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind sich vier Zeugen sicher, dass sie Maria Baumer gesehen haben. Mit Plakaten wird in mehreren Sprachen nach der Vermissten entlang des Jakobsweges gesucht. Doch neue Hinweise gehen nicht ein. Zu diesem Zeitpunkt übernimmt die Staatsanwaltschaft Regensburg das Verfahren, da ein Tötungsdelikt nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Für sachdienliche Hinweise wird eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt. 

Am 8. September 2013 wird dann traurige Gewissheit, was viele schon befürchtet hatten: Maria Baumer ist tot. Pilzsammler finden ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück bei Bernhardswald. Doch mit dem Fund der Leiche ist der Fall nicht gelöst. Im Gegenteil: Er scheint immer mysteriöser zu werden. Es gibt keine Todesursache und es gibt keinen Todestag. Es gibt nur die Gewissheit, dass Maria Baumer starb. Und die Vermutung, dass ihr Verlobter etwas damit zu tun haben könnte. Schnell gerät er in das Visier der Ermittler, muss in Untersuchungshaft. Im November hat eine Haftbeschwerde Erfolg: Das Landgericht Regensburg sieht keinen hinreichenden Verdacht gegen den jungen Mann. Dennoch konzentrieren sich die Ermittler weiter auf den Ex-Verlobten aufgrund einer Reihe von Indizien. Er war die letzte Person, die Maria Baumer lebend gesehen hat. Er war es, der die beiden – unbestätigten – Anrufe der 26-Jährigen entgegengenommen hatte. 

Im Moment laufen die Ermittlungen noch. Es gibt „die eine oder andere Spur“, die von der Polizei noch abgearbeitet wird, heißt es von der Staatsanwaltschaft Regensburg. Außerdem steht ein abschließender Bericht der Polizei noch aus. Wie das Verfahren am Ende ausgehen wird, ist offen. Sollte sich der Verdacht gegen den heute 32-Jährigen nicht erhärten, wird eine Aufklärung des Mordes an Maria Baumer schwierig. Denn weitere Tatverdächtige gibt es bislang nicht. 

Wird Maria Baumers Schicksal jemals geklärt? MZ-Reporterin Isolde Stöcker-Gietl sprach mit Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg. Sehen Sie das Interview im Video:

Alle Informationen zum Fall Maria Baumer finden Sie in unserem MZ-Spezial

Der Fall Kerstin Lee Langley

"Hi my Baby. Ich habe einen neuen Engel gefunden. Das Leben muss weitergehen." Das steht in einer SMS, die im September 2007 von Kerstin Langleys Handy aus an ihren Sohn geschickt wird. Es ist das letzte Lebenszeichen von der damals 39-Jährigen. Ob sie diese Nachricht wirklich selbst geschrieben hat, das bezweifeln ihr Sohn und ihr Bruder bis heute. Feststeht: Die dunkelhaarige Frau ist seit dem Sommer 2007 spurlos verschwunden. Im Juli meldet sie ihr Bruder bei der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg als vermisst. Da hatte er schon drei Wochen lang nichts mehr von seiner Schwester gehört.

Langley war kurz vor ihrem Verschwinden in die Nothaftstraße nach Regensburg zu ihrem neuen Lebenspartner gezogen. Doch das Glück währt nicht lange, die Beziehung geht schnell in die Brüche. Die 39-Jährige will ausziehen, bittet ihren Bruder um Hilfe, gemeinsam planen sie den Umzug, der wenige Tage später stattfinden soll. Doch dazu wird es nie kommen. Kerstin Lee Langley ist danach wie vom Erdboden verschluckt. Die Polizei ermittelt, fragt bei den Nachbarn des Ex-Freundes nach. Da jedoch aus Sicht der Polizei damals keine Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen, werden die Ermittlungen schnell eingestellt.

Erst nach einem seltsamen Vorfall im Februar 2012 wird die Akte "Langley" wieder geöffnet: Auf einer Faschingsparty in Neumarkt erzählt eine 42-Jährige, ihr Ex-Mann habe zwei Frauen umgebracht. Eine davon sei Kerstin Lee Langley. Und sie wisse sogar, wo ihre Leiche vergraben sei: auf der „Märchenwiese“ bei Kadenzhofen nahe Berg. 

Der Fall Kerstin Langley war im Jahr 2013 auch Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" (ca. ab Minute 01:07:00)

Die Ermittler vernehmen den Ex-Mann, der, wie sich herausstellt, tatsächlich der Ex-Freund von Kerstin Langley ist. Doch der bestreitet die Tat und behauptet bei der Polizei, dass die 39-Jährige von einem ihm unbekannten Mann abgeholt worden sei. Das zweite vermeintliche Opfer trifft die Polizei lebend in deren Wohnung an. Und auch die Suche auf der "Märchenwiese" bringt keinen Erfolg: Es wird nie eine Leiche gefunden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Regensburg wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes werden wegen mangelnder Beweise eingestellt. 

Dennoch schließen die Ermittler mittlerweile nicht mehr aus, dass Kerstin Lee Langley Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein könnte.Die Vermutung, die Frau, die kurzzeitig mit einem Amerikaner verheiratet war, könnte in die USA ausgewandert sein, lässt sich nicht belegen. Kerstin Lee Langley bleibt bis heute spurlos verschwunden...

Hinweise im Fall Kerstin Lee Langley

Der Fall Anna Poddighe

Im Jahr 2012 verschwindet die gebürtige Italienerin Anna Franca Poddighe aus Amberg von einem Tag auf den anderen. Am späten Nachmittag des 16. Juni ist die 41-Jährige noch einmal bei Facebook aktiv und kommentiert den Beitrag einer Kollegin. Es war das möglicherweise letzte Lebenszeichen der Frau. Am 17. Juni, so heißt es im Fahndungsaufruf, wird sie zum letzten Mal von ihrem Lebensgefährten gesehen. Sie will das Altstadtfest besuchen, so seine Aussage. Zeugen gibt es dafür keine. Ihre Tasche mit den Ausweispapieren und der Bankkarte ließ Anna Franca Poddighe in der Wohnung zurück. Völlig untypisch, wie ihre Schwester Daniela sagt. Sie ist es auch, die am 24. Juni schließlich Vermisstenanzeige erstattet. 

Dass die damals 41-Jährige noch lebend gefunden werden kann, daran glauben auch die Ermittler inzwischen nicht mehr. Sie gehen von einem Gewaltverbrechen aus, einen Suizid schließen sie aus. Nur wo sie nach den sterblichen Überresten suchen sollen, wissen sie nicht. Doch solange die Ermittler keine Leiche finden, bleiben wichtige Fragen ungeklärt.

Die Polizei ließ Waldstücke in der Umgebung von Amberg mit Spürhunden absuchen – ergebnislos. Ebenso brachte ein Bericht in der Sendung „Aktenzeichen XY“ im März 2013 die Ermittler nicht weiter. In der Sendung wurden die vielen Internetbekanntschaften von Anna Franca Poddighe thematisiert. Dass ein solcher Facebook-Kontakt mit dem Verschwinden zu tun haben könnte, schließen die Ermittler nicht aus.

Auch das mysteriöse Verschwinden von Anna Poddighe wird im März 2013 in der Sendung "Aktenzeichen XY" thematisiert (ab ca. Minute 40:30).

In der Vermisstensache richtet sich aber bislang kein dringender Tatverdacht gegen eine bestimmte Person. „Wir ermitteln in alle Richtungen. Ein Haftbefehl besteht nicht“, sagt Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier.

Poddighes Familie hingegen hegt einen konkreten Verdacht gegen den damaligen Lebensgefährten der 41-Jährigen. Sein Verhalten nach dem Verschwinden von Anna kommt Schwester Daniela verdächtig vor. Eventuell habe es einen verhängnisvollen Streit gegeben: Möglicherweise ging es um Geld. Etwa 1000 Euro sollen vom Ersparten der Frau in kleineren, nicht erklärbaren Beträgen abgehoben worden sein, will die Familie festgestellt haben. 

Im Video: Schwester Daniela Poddighe sucht seit Jahren verzweifelt nach ihrer Schwester. Sie glaubt inzwischen nicht mehr daran, dass Anna Franca noch lebt.

Im September 2016 wollen die Ermittler wieder Bewegung in den ungeklärten Fall bringen. Ein Waldstück an der B 85 südöstlich von Amberg wird durchsucht – ohne Ergebnis. Doch Oberstaatsanwalt Strohmeier schließt nicht aus, dass man in nächster Zeit noch weitere Gebiete in der Umgebung absuchen werde: „Sollte Anna Poddighe in Amberg getötet worden sein, dann ist der Radius, in dem sich ihre sterblichen Überreste befinden, nicht unendlich weit von Amberg entfernt.“ 

"Die rastlose Suche nach der Schwester" - Daniela Poddighe im MZ-Gespräch

Hinweise im Fall Anna Poddighe

Text & Recherche: Nina Schellkopf & Mario Geisenhanslüke 

Kapitel
Der Fall Baumer Der Fall Langley Der Fall Poddighe
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