Ungelöste Mordfälle

Der Fall Manuela C.: Mysteriöser Mord an einer Friseurin

Ostbayerns ungelöste Mordfälle: 1987 wird die 19-jährige Manuela C. aus dem Landkreis Kelheim tot unter der Regensburger Nibelungenbrücke entdeckt.

In den Morgenstunden des 21. August 1987 ist ein Mitarbeiter der Stadtreinigung an der Regensburger Nibelungenbrücke unterwegs. Als sein Blick über die Donau schweift, entdeckt er in Ufernähe auf einer Sandbank einen leblosen Körper. Eine Frau mit langen blonden Haaren. Sie ist nackt. Sofort setzt der Arbeiter einen Notruf ab. Doch helfen kann hier niemand mehr. Die 19-jährige Manuela C. aus dem Landkreis Kelheim ist tot. Sie wurde ermordet. Bis heute sucht die Polizei nach dem Täter.

Porträt Manuela Chiodo
Die 19-jährige Manuela C. wird 1987 ermordert. (Foto: MZ-Archiv)

Manuela ist eine lebenslustige junge Frau. Sie macht eine Ausbildung zur Friseurin und träumt von einer Modelkarriere. Mit einer Größe von 1,80 Metern und den langen, lockigen Haaren bringt sie dafür die besten Voraussetzungen mit. Zudem ist die 19-Jährige sehr modebewusst und stylt sich gerne auffallend. An jenem 2o. August 1987, einem Donnerstag, ist Manuela mit drei Freunden in der Regensburger Altstadt zum Eisessen verabredet. Es ist ein lauer Sommerabend. Sie hat sich eine weiße Baumwollhose angezogen und trägt darüber ein weißes, langes T-Shirtkleid sowie ein schwarzes Herrensakko mit glänzendem Revers. An die Ohrläppchen hat sie sich auffällige Ohrringe mit schwarzen Fransen und einem silbernen Stern geclipst. Später wird die Polizei große Hoffnungen darauf setzen, dass diese ungewöhnlichen Ohrringe jemandem im Gedächtnis geblieben sind. Sie brachten aber ebensowenig Hinweise, wie die Suche nach der bis heute verschwundenen Kleidung.

Ein 360-Grad-Foto vom Fundort, wie er heute aussieht, sehen Sie hier:

Hier wurde die Leiche von Manuela C. in Regensburg gefunden. Dieses 360-Grad-Bild ist Teil eines Multimedia-Spezials von mittelbayerische.de. - Spherical Image - RICOH THETA

An Bushaltestelle abgesetzt

Dass Manuela C. an dem Abend gegen 23.15 Uhr alleine auf der Nordgaustraße zurückbleibt, ist dem ungewöhnlichen Verhalten ihres Begleiters geschuldet. Während sich zwei Männer aus der Gruppe bereits in der Altstadt verabschiedet hatten, will der dritte Manuela zurück nach Hause in den Landkreis Kelheim bringen, wo sie noch bei ihren Eltern wohnt. Doch zuvor muss der junge Mann noch seine Freundin in einem Regensburger Lokal abholen und nach Hause fahren. Bei dieser Fahrt will er die 19-Jährige allem Anschein nach nicht dabeihaben.

Manuela ist kein ängstlicher Mensch. Wenn sie keine Mitfahrgelegenheit bei Freunden findet, dann trampt sie auch mal nach Hause. Deshalb lässt sie sich wohl auch in jener Nacht an der damals noch weitaus weniger gut beleuchteten Bushaltestelle an der Ecke zur Holzgartenstraße kurz vor der Nibelungenbrücke absetzen. Diese Hauptverkehrsader von Regensburg ist auch nachts belebt.

Fall Chiodo Gürtel
Ein Vergleichsstück des Gürtels, den Manuela C. am Tag ihrer Ermordung trug. (Foto: MZ-Archiv/Polizei)

Gegen 23.30 Uhr, so sagt später ein Radfahrer bei der Polizei aus, habe er einen etwa 30 Jahre alten Mann registriert, der eine Frau am Arm gepackt und die Treppe zur Unterführung der Brücke hinuntergezerrt und -geprügelt habe. Doch die Beobachtung schätzt der Zeuge falsch ein. Er glaubt an ein zankendes Liebespaar und setzt seine Fahrt fort. Eine Personenbeschreibung kann er nicht abgeben. Aber es gibt noch weitere Zeugen, die zur selben Zeit in der Gegend Hilferufe einer Frau hören. Doch niemand steht auf und schaut aus dem Fenster. Niemand alarmiert die Polizei. Niemand kommt Manuela zur Hilfe. Als ihr Begleiter an die Bushaltestelle zurückkehrt, ist die junge Frau verschwunden. Sie befindet sich in den Fängen ihres Mörders, der ihr unter einem Brückenpfeiler am Ufer der Donau die Kleider vom Leib reißt, sie fesselt, würgt und wahrscheinlich auch sexuell missbraucht. Mit Sicherheit wird man dies später aber nicht mehr feststellen können. Manuela C. leistet heftige Gegenwehr, es rettet ihr Leben dennoch nicht. Der Täter wirft das bewusstlose Opfer in die Donau, die junge Frau ertrinkt. Noch in der Nacht alarmiert der besorgte Begleiter die Familie der 19-Jährigen – wohl auch in der Hoffnung, dass sie dort inzwischen wohlbehalten angekommen ist. Am Freitagnachmittag, wenige Stunden nach dem Auffinden von Manuelas Leiche, muss die Polizei den Eltern und Geschwistern die schreckliche Nachricht überbringen.

Tatort, Spuren und die letzten Aufenthaltsorte – wo passierte was? Klicken Sie sich in unserer Karte durch den Fall Manuela C..

Begleiter hat ein Alibi

Der junge Mann, der Manuela an der Bushaltestelle zurückließ, gerät ins Visier der Polizei. Doch er kann glaubhaft belegen, dass er nichts mit dem gewaltsamen Tod der 19-Jährigen zu tun hat. Weitere Gewalttaten in der Region werden überprüft, um Hinweise auf einen möglichen Serientäter zu finden. Auch verurteilte Sexualstraftäter, die in der Nähe des Tatortes leben, werden aufgespürt. Denn die Polizei geht davon aus, dass der Täter ein Regensburger ist, der in jener Nacht zu Fuß unterwegs war. Zudem ist man überzeugt, dass der Unbekannte auf ein derartiges Gewaltverbrechen vorbereitet gewesen war und zumindest eine gewisse Ortskenntnis im Bereich der Nibelungenbrücke hatte. Ein Mann scheint genau in das Bild zu passen. Er hat das geschätzte Alter, das der Radfahrer, der die Tat beobachtete, genannt hat. Die Polizei zieht Profiler hinzu, um ein Täterprofil zu erhalten. Es wird untersucht, ob die kriminelle Vorgeschichte des Mannes mit dem Fall Manuela in Verbindung gebracht werden kann. Letztlich gelingt es nicht, den Verdacht zu erhärten. Aus Polizeikreisen heißt es später, man sei sich sehr sicher gewesen, dem Täter von Manuela auf der Spur zu sein. Auch Oberstaatsanwalt Theo Ziegler bestätigt in einem Gespräch mit unserem Medienhaus, dass sich die Ermittlungen damals auf eine Person aus Regensburg konzentrierten, letztendlich aber keine ausreichenden Belege für deren Täterschaft gefunden werden konnten.

Nach mehreren Jahren ohne den entscheidenden Hinweis, schließen die Ermittler ihre Arbeit ab, unterziehen aber – wie bei allen ungeklärten Gewaltverbrechen – die Akten in regelmäßigen Abständen einer weiteren Überprüfung. Da der Täter Manuelas Kleidung verschwinden ließ, haben auch die immer ausgefeilteren kriminalistischen Methoden zur Spurensicherung bisher nicht weiterhelfen können.

Im Jahr 2014 berichtet die Mittelbayerische Zeitung im Rahmen einer Serie über die „Großen Schlagzeilen aus Ostbayern“ noch einmal über den ungeklärten Mord an der jungen Friseurin. Wenige Tage nach der Veröffentlichung erreicht die Redaktion ein anonymer Brief, der sich mit dem Verbrechen befasst. Der Schreiber erklärt, dass er sich „noch sehr gut“ an die „Tragödie“ erinnern könne und sich „nach langem Zögern“ entschlossen habe, diese Zeilen zu schreiben. Der Autor des Briefes erhebt mit den Worten „dieser Hinweis ist nicht aus der Luft gegriffen“ auch einen konkreten Verdacht gegen einen Mann aus der Region, erläuterte aber nicht näher, in welchem Zusammenhang die Person mit dem Tod der 19-Jährigen stehen könnte. Die Polizei beginnt daraufhin wieder mit Ermittlungen, die aber letztendlich keine neuen Erkenntnisse zutage fördern. Es habe sich um „haltlose Anschuldigungen“ gegen eine Regensburger Persönlichkeit gehandelt, sagt Staatsanwalt Ziegler.
Die Familie der getöteten jungen Frau leidet bis heute sehr unter dem schmerzlichen Verlust. „Ich möchte dem Mörder meiner Tochter in die Augen sehen können“, sagte der Vater der 19-Jährigen unmittelbar nach dem Verbrechen. Die Familie hatte 5000 Mark zur Ergreifung des Täters ausgelobt, weitere 5000 Mark das Landeskriminalamt. Eine Belohung, die auch jetzt noch, 30 Jahre nach der Bluttat, umgereichnet in Euro ausgezahlt werden würde. Doch der Täter schweigt eisern und die wenigen Spuren, die er hinterlassen hat, taugen nicht, um die brutale Tat aufzuklären. Doch die Ermittler geben nicht auf. Denn Mord verjährt nicht.

Im Audiointerview spricht MZ-Redakteur Wolfgang Ziegler, der damals über den Mord berichtet und die Ermittlungen begleitet hat, über den Fall Manuela C..

Hinweise im Fall C.

  • Auch wenn der Mord unter der Nibelungenbrücke inzwischen schon fast drei Jahrzehnte zurückliegt, haben die Ermittlern ihn noch nicht zu den Akten gelegt. Immer wieder wird an den sogenannten "Cold Cases" gearbeitet, Hinweise und Spuren neu aserviert und bewertet und DNA-Spuren verglichen. Denn: Mord verjährt nicht!
  • Im Fall C. ist immer noch eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt. 
  • Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Regensburg unter der Telefonnummer (0941) 506-0  sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Text & Recherche: Isolde Stöcker-GietlNina Schellkopf & Mario Geisenhanslüke 
Grafiken, Videos und Visualisierungen: Inge Brunner, Nina Schellkopf und Mario Geisenhanslüke

Überblick

Alle ungelösten Mordfälle in Ostbayern, verortet auf einer Karte mit jeweils dem Link zum Artikel, sehen Sie hier:

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