Interview

​"Unbefangenheit und genügend Schlaf"

Das Media Lab Bayern lobt beim #mzhack17 einen besonderen Preis aus. Die Leiterin des Labs Lina Timm spricht im Vorfeld über das Fantastische an Hackathons.

Den Siegerteams beim zweiten Hackathon des Mittelbayerischen Medienhauses winken Preisgelder in Höhe von mehreren Tausend Euro. Doch nicht nur damit lockt der #mzhack17 (alle Infos und die Anmeldung finden Sie hier). Denn die Jury vergibt heuer außerdem einen Sonderpreis des Media Lab Bayern. Das Team, das diesen Preis gewinnt, kommt mit seiner Idee zwei Monate lang bei dem Münchner Startup-Förderer unter: inklusive Aufnahme ins Mentorenprogramm, eigenem Büro im OpenSpace und der Möglichkeit, vom Netzwerk des Media Labs zu profitieren.

Im Vorfeld des mzhack17 spricht die Leiterin des Labs, Lina Timm, über drei Eigenschaften, die junge Journalisten mitbringen sollen, die Verlagsbranche im Wandel - und gibt auf Grundlage ihrer eigenen Hackathon-Erfahrung wertvolle Tipps.

Irgendwas mit Medien: Sollten sich junge Menschen heute noch für den Journalismus begeistern?

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    So sieht die Arbeit im Media Lab Bayern aus. Foto: Erol Gurian
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    So sieht die Arbeit im Media Lab Bayern aus. Foto: Erol Gurian
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    So sieht die Arbeit im Media Lab Bayern aus. Foto: Erol Gurian

"Natürlich! Journalismus an sich haben wir vor 200 Jahren gebraucht, brauchen wir heute und werden wir auch noch in 400 Jahren brauchen. Menschen wollen Geschichten hören und Neuigkeiten mitbekommen: Es ändern sich nur die Übertragungsmedien selbst. Von daher sollten junge Leute heute unbedingt offen dafür sein, wie sie Geschichten erzählen."

Welche drei Eigenschaften sollte ein Jung-Journalist heute mitbringen?

"Anpassungsfähigkeit an sich ständig wandelnde Medienformen, Neugier nicht nur auf Geschichten sondern auch auf Technologie und Begeisterung für den Job: Wie auch immer er aussehen mag."

Was begeistert Sie am Journalismus, und wie kamen Sie zum Media Lab?

"Als Journalistin kann ich mich jeden Tag in ein neues Thema einarbeiten, lerne so viel, sehe so viel und kann manchmal auch ein bisschen was bewegen. Deshalb wollte ich immer Journalistin werden. Heute würde ich mich nicht mehr als Journalistin bezeichnen, sondern als Medien-Managerin. Ich kam nach meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule zur Bayerischen Landesmedienzentrale, bei der gerade eine neue Abteilung für digitale Strategie geschaffen worden war. Darin konnte ich das Konzept des Media Lab mit ausarbeiten. Und muss sagen, dass mir dieser Job mittlerweile fast besser gefällt als das reine Schreiben. Ich kann mich den ganzen Tag mit Zukunftsthemen beschäftigen und habe lauter coole Leute um mich herum, die davon getrieben sind, ihr eigenes Ding zu bauen. Es gibt kein tolleres Umfeld."

Fantastisch an Hackathons ist, dass aus dem Nichts ein Prototyp entsteht. Lina Timm, Leiterin des Media Labs Bayern

Was war bisher die größte Überraschung für Sie, seit das Media Lab die Arbeit aufgenommen hat?

"Dass wir uns das erste Jahr so richtig durchkämpfen mussten und sich das jetzt nach eineinhalb Jahren komplett gedreht hat, hat mich in beide Richtungen überrascht. Ich hätte nicht erwartet, dass uns die Medienbranche so unfassbar kritisch gegenüber steht und da draußen so wenig Talente unterwegs sind, die schon in Richtung Medien-Startup denken. Dann hat mich überrascht, das sich das doch so schnell dreht. Mittlerweile kommen die Häuser auf uns zu."

Was macht für Sie einen Hackathon aus?

"Fantastisch an Hackathons ist, dass aus dem Nichts ein Prototyp entsteht. Viele Teams entwickeln selbst die Idee erst vor Ort und haben drei Tage später ein rudimentäres aber funktionierendes erstes Produkt. Und Hackathons sind auch großartig dafür, von anderen Disziplinen zu lernen. Wenn ich als Teilnehmer bei Hackathons dabei war, habe ich die Gelegenheit immer genutzt, mir von den Entwicklern genau erklären zu lassen, was sie gerade tun, warum sie es tun und wie das geht."

Hackathon Logo
Auch heuer gibt es einen MZ-Hackathon. Der Hashtag in die Sozialen Netzwerken lautet #mzhack17. Foto: Schellkopf

Was sollten die Teilnehmer dringend zum #mzhack17 mitbringen?

"Unbefangenheit und genügend Schlaf im Vorfeld: Ersteres, um wirklich coole sowie noch nie gedachte Ideen umzusetzen und letzteres, um sie in den drei Tagen zu einem coolen Prototyp zu kriegen."

Große, unbewegliche Verlage treffen auf junge, agile StartUps, und beide beäugen sich kritisch. So zumindest sehen es viele auf beiden Seiten wahrscheinlich noch heute. Hat sich an dieser Stelle in Deutschland schon etwas geändert – und was muss sich noch ändern?

"Jetzt gerade fängt es an, sich zu ändern. Ich sehe auf Seiten der Verlage mehr Bereitschaft, sich mit Startups auszutauschen - und auch ein wenig Neid auf die Startup-Kultur, die Innovationen so wahnsinnig schnell umsetzen kann. Trotzdem sind das erst einige Häuser in Deutschland, gerade die kleineren schieben immer erstmal das Argument vor, ihre Ressourcen wären zu begrenzt, um sich auch noch „mit sowas zu beschäftigen“. Dabei bieten Startups ja gerade zusätzliche Ressourcen an. Ändern muss sich unbedingt die grundsätzliche Bereitschaft, überhaupt mit externen Teams zusammen zu arbeiten und auch ein wenig die Geschwindigkeit. Lange Entscheidungsketten hält kein Startup auf Dauer finanziell durch. Komplizierte Entscheidungsbefugnisse in den Häusern killen Innovation am Ende auf beiden Seiten."

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Alles zum #mzhack17

Kurz und knapp: Alle Infos zum Hackathon 2017 finden Sie in diesem Video.

Wir begleiten den #mzhack17 im NewsBlog:

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