Interview

„Alle Scheuklappen fallen lassen“

Der Chief Digital Officer der Deutschen Presseagentur spricht über den Hackathon in Regensburg und die Rolle der dpa.

Was macht für Sie einen Hackathon aus?

Die digitale Veränderung von Unternehmen und Medienhäusern ist eine Riesenherausforderung. Und sie ist aus einer bestehenden Organisation heraus kaum zu bewältigen. Man braucht auch starke Impulse von außen. Und die kommen aus der Szene der Gründer und Entwickler. Wenn man also das etablierte Medienhaus – mit all seinen Schätzen und Erfahrungen – und die jungen Wilden zusammenbringt, entsteht viel Energie. Und aus dem einen oder anderen Sieger eines Hackathons ist auch schon ein Startup geworden.

Aber das ist nicht das einzige Ziel.

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Hier findet der Hackathon statt: Im Verlagsgebäude der MZ. Foto: Holger Schellkopf

Das Erste, das bei so einem Hackathon immer entsteht, ist, dass ein Medienhaus wie der Mittelbayerische Verlag ein attraktiver Partner für und zum Ziel von jungen Innovatoren aus der Region wird. Bisher ist es oft so, dass diese beiden aneinander vorbeireden. Die Entwickler nehmen ein Medienhaus nicht ernst und sagen: „Das ist ein völlig langweiliger, verschnarchter Laden.“ Und viele in einem Zeitungsverlag sagen: „Mit denen können wir nichts anfangen, das sind Traumtänzer.“ Beide müssen aber auf Augenhöhe miteinander umgehen.

Und das Zweite?

Das zweite Ziel ist, dass ein Medienhaus feststellt: Da sind Leute dabei, die wir bei uns gerne in der Organisation hätten. Man hat also Zugang zu jungen Talenten. Und das nächste – und das wäre dann schon richtig gut – wäre, wenn sich ein Team aus eigenen und fremden Leuten bildet, die einen guten Prototypen gebaut haben.

Wie kommt es, dass so ein altehrwürdiger Riesentanker wie die Deutsche Presseagentur hier federführend dabei ist?

Die dpa ist kein konservativer Tanker. Wir haben einen Vorteil: Wir haben unsere Inhalte schon immer medienneutral produziert. Darum war die dpa vor 20 Jahren auch ganz vorne dabei, als das Internet für Medien begann wichtig zu werden. Wir waren immer Trendsetter. Aber selbst wir merken, dass wir viele Entwicklungen in dieser Geschwindigkeit intern nicht stemmen können.

„Man muss alle Scheuklappen fallen lassen und maximale Offenheit mitbringen.“ Meinolf Ellers, Digital Chief Officier

Welche Scheuklappen muss man als Verlag ablegen?

Man muss alle Scheuklappen fallen lassen und maximale Offenheit mitbringen. Es gibt Medienhäuser, die fragen sich: Wie vermeiden wir, dass die Anderen Inhalte klauen? Oder: Wie vermeiden wir, dass Entwicklungen bei unserem Wettbewerber landen? Davon muss man sich völlig frei machen. Dieses Format bedeutet: absolute Offenheit, auf Augenhöhe mit den jungen Wilden zusammenarbeiten und von ihnen lernen. Mit dem Ansatz „Ja, wir erlauben uns mal, denen einen kleinen Spielplatz zu bieten“ wird es nichts.

Der MZ-Hackathon 2017

Alle Infos zum #mzhack17 finden Sie hier.

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