Angeklopft Lupburg 14

Angeklopft.

Namen voller Geheimnisse

Klosterwirt, Pöppelschneider, Neubeck – so heißen drei der schmuckvollen Lupburger Häuser. Ihre Eigennamen erzählen von alten Zeiten und hinter ihren Mauern finden sich wertvolle Schätze.

Prächtig stehen sie da, der Klosterwirt, der Pöppelschneider und der Neubeck. Der Erste ist der Freigeist. Er ist unangepasst, ein bisschen widerspenstig und sticht mit seinem schmuckvollen Äußeren sofort ins Auge. Der Zweite ist der Edle. Er hat eine feine Klamotte an und zeigt sich gerne her. Der Dritte ist der Gesellige. Er steht auf der Sonnenseite, ist immer in Gesellschaft und hat eine offene Tür für jeden, der vorbei kommt. Der Klosterwirt, der Pöppelschneider und der Neubeck stehen rund um die Kirche in Lupburg im Landkreis Neumarkt. Jeder hat einen eigenen Charakter, zusammen prägen sie den historischen Ortskern des Marktes. Es sind diese alten Häuser, die Lupburg seinen besonderen Charme geben.

Fast jedes Haus im Ort trägt einen Namen. Viele von ihnen klingen in den Ohren, wenn man sie laut liest.

Der Schlamper, der Pfeiferl, der Schleiferbrandl, der Schusterbreindl

Einige der Namen reichen bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Der Klosterwirt ist einer der Ältesten. Doch woher der Name des schmuckvollen Fachwerkhauses stammt, weiß heute keiner so genau.

In diesem 360-Grad-Bild können Sie sich auf dem Lupburger Marktplatz umschauen und die historischen Häuser betrachten. Ziehen Sie den Bildausschnitt mit der Maus einfach in eine beliebige Richtung: 

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Die Klingel scheppert laut. Dann öffnet, begleitet von blechernem Glockengeläut, Klaus Vögler die schwere Holztüre. Wie das Haus ist auch sein Herr ein Freigeist – das ist nicht zu übersehen. Graue lange Locken fallen um das schmale Gesicht mit dem grauen Vollbart. Die Jeansweste, die Vögler über seinem schwarzen Strickpullover trägt, hat einige Jahre hinter sich. Vögler senkt den Kopf und mustert den unangekündigten Gast über den Rand seiner Brille. Dann bittet er freundlich herein.

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Klaus Vögler hat das Klosterwirt-Haus in den frühen 1980er Jahren gekauft und das alte Fachwerk wieder freigelegt. Foto: Jana Wolf

Die Decken sind niedrig, der Boden mit alten Dielen verkleidet, darauf verteilt bunte Teppiche. Klaus Vögler hat das Haus 1982 oder 1983 gekauft, ganz genau weiß er es selbst nicht mehr. Solche „jüngeren“ Jahreszahlen geraten ihm durcheinander, dafür sitzt historisches Wissen wie eine Eins: Der Keller des Klosterwirt-Hauses reicht in die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 zurück. Der Rest des Hauses wurde im frühen 18. Jahrhundert gebaut.

Nur der Name, der bleibt ein ungelüftetes Geheimnis.

Ob der Klosterwirt tatsächlich einen Bezug zu einem Kloster hat, konnte bisher niemand nachweisen. Feststeht aber, dass das Haus ab 1796 im Besitz des Wirts und Metzgers Michael Walter war und ab 1808 den Namen „beim Klosterwirth“ trug. Bis 1965 waren dort immer Wirte oder Metzger ansässig. Nachdem es einige Jahre leer stand, übernahm schließlich Vögler das Haus und renovierte es. Er legte das alte Fachwerk wieder frei, das unter dem Putz verschwunden war und dem Haus heute sein besonderes, schmuckvolles Äußeres gibt.

Die Schätze finden, nicht suchen

Ursprünglich stammt Klaus Vögler aus Frankfurt am Main. Was ihn in die Oberpfalz verschlagen hat? „Das Geschäft, die Liebe und wer weiß, was noch alles“, sagt der 69-Jährige, schmunzelt und verschwindet hinter einem der antiken Möbelstücke, mit denen das Erdgeschoss vollgestellt ist. Vögler, ein gelernter Schreiner, konnte mit Neuanfertigungen nie viel anfangen und verschrieb sich der Restaurierung. Eine schwere Truhe mit floralem Muster im Stil der italienischen Renaissance, daneben ein glatt polierter Biedermeier-Stuhl, ein bunt bemalter Bauernschrank, eine Jugendstil-Kommode – Vöglers Haus ist voll mit solchen Kostbarkeiten. 

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    Die alte Truhe hat Klaus Vögler vor dem Verfall bewahrt, sie restauriert und ihr schönes Muster wieder zur Geltung gebracht. Foto: Jana Wolf
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    Auch diesen Biedermeier-Stuhl hat der gelernte Schreiner im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufgemöbelt. Foto: Jana Wolf
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    Im Erdgeschoss des Klosterwirt-Hauses befindet sich auch Vöglers Werkstatt. Hier restauriert er die antiken Möbelstücke. Foto: Jana Wolf
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    Barocke Kommoden, polierte Tische, edle Hölzer - solche Fundstücke findet man zuhauf im Klosterwirt-Haus. Foto: Jana Wolf

Er hat sie über die Jahre zusammengetragen und ihnen neuen Glanz verliehen. Suchen musste er keines der antiken Stücke, sagt er. „Finden. Man muss finden, nicht suchen.“ Und in den Lupburger Straßen findet man Häuser mit so besonderen Namen wie diesen: 

Der Holliendl, der Hansüller, der Hocker, der Hansl

Oder eben der Neubeck, der Gesellige, der gegenüber des Klosterwirts steht. Seine Ursprünge reichen bis 1645 zurück. Metzger, Wirte, Braumeister, ein Bader und ein Zahnarzt haben sich in dem Haus über die Jahre niedergelassen. Heute befindet sich hier das Gasthaus „Zur Sunnaseit’n“ und tatsächlich strahlt die Sonne auf die lachsfarbene Fassade. 

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Die Ursprünge des Neubeck-Hauses reichen bis 1645 zurück. Heute befindet sich hier das Gasthaus „Zur Sunnaseit’n“ und tatsächlich strahlt die Sonne auf die lachsfarbene Fassade. Foto: Jana Wolf

Im Gastraum hinter der Theke steht Hans-Jakob Maier. Der 73-Jährige ist ein echter Lupburger, hier aufgewachsen und nie weggegangen. Wie der Urgroßvater ist Maier gelernter Bäcker. Bis 1983 hat er in der Neubeck-Backstube gebacken. Vor acht Jahren, zu seinem 65. Geburtstag, hat er das Haus zum Gasthaus umgebaut. An den Wänden hängen alte schwarz-weiß Fotos der Familie und der Lupburger Geschichte. Zu ihr gehören auch die Hausnamen:

Der Ullabauer, der Stadlmann, der Bärtlschreiner, der Krämerwagner.

Doch Maiers Herz schlägt für den Pöppelschneider, den Edlen. Er kommt ins Schwärmen, wenn er von seinem Wohnhaus erzählt, das nur 70 Meter entfernt an der Burgstraße liegt. Die weiße Fassade ist dezent, aber stilvoll gestaltet. Der Pöppelschneider gilt als eines der ältesten und wertvollsten Bürger- und Handwerkerhäuser in Lupburg. Teile eines romanischen Steinhauses und das Fundament einer kleinen Kapelle wurden darin entdeckt. Gleich hinter der Haustüre führen Steinstufen nach unten, über dem Eingangsbereich tut sich ein Kreuzgewölbe aus dem 15. Jahrhundert auf. 

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Für die Neugestaltung und Sanierung des Pöppelscheider-Hauses hat Hans-Jakob Maier sogar einen Staatspreis bekommen. Foto: Jana Wolf

Maier lotst durch verwinkelte Räume, Stufen führen hinauf und hinab, an den Wänden zeichnen sich Teile alter Säulen ab. 1992 hat er das Haus gekauft und renoviert. In feiner Detailarbeit hat Maier die ovalen Fenster der Kapelle freigelegt, so dass sie heute im Mauerwerk noch sichtbar sind. Vom Erdgeschoss bis unter das Dach reicht ein alter Kamin, in dem früher Fleisch und Würste zum Räuchern hingen. Auch diesen Schacht hat Maier beim Umbau erhalten. Vom Treppenhaus zweigt eine kleine Kammer ab, in der früher Mägde und Knechte untergebracht waren. Stehen kann man in dem Raum nicht, er ist nur rund 1,20 Meter hoch. Das Pöppelschneider-Haus steckt voll mit diesen alten Geschichten und geheimen Winkel. Fragt man Maier, was das Haus für ihn so besonders macht, sagt er, „dass ich darin wohne“, und lacht.

Auf dieser Karte sehen Sie, wo genau Lupburg liegt. Wenn Sie herauszoomen und den Kartenausschnitt vergrößern, sehen Sie alle Orte der Serie. Zu jedem Einzelnen gibt es eine Angeklopft-Geschichte, die Sie ganz am Ende des Textes unter "Alle Serienteile" finden.

Die Sanierung von Pöppelschneider, Neubeck und Klosterwirt sind Teil der öffentlich geförderten Dorferneuerung, die vor rund 30 Jahren begann. „Ohne die Erneuerung wäre Lupburg nicht das, was es heute ist“, sagt Hans-Jakob Maier. Er hat sich in dem Prozess besonders engagiert und ist für die Neugestaltung seines Hauses sogar mit einem Staatspreis ausgezeichnet worden.

Ihren ganzen Charakter entfalten die Lupburger Häuser aber erst im Ensemble. Und wenn man ihre Namen in den Ohren klingen lässt: 

Der Kini, der Soler, der Diller, der Wölfl

Die Serie

Angeklopft. Besuche in Ostbayern

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Die Serie

Einmal im Monat erscheint ein neuer Beitrag von „Angeklopft. Besuche in Ostbayern“. Die Serie erzählt von unseren Lesern und den Menschen in unserer Region – authentisch und ganz nah dran. Denn es sind die Geschichten hinter den Schlagzeilen, die berühren, überraschen und uns zum Nachdenken bringen.

Alle Serienteile

Teil Juni: Familie König betreibt in Elsendorf den wohl kleinsten Spargelhof der Region. Frau König führt den Hofladen und hütet ein Geheimnis. Hier geht es zur Geschichte: "Der Spargel gibt den Takt an"

Teil Juli: Josef Mosner brennt für das Schmiedehandwerk. Mit seinem Eifer haucht er Kastl im Lauterachtal Leben ein – und das mit 82 Jahren. Hier geht es zur Geschichte: "Feuer und Flamme für Kastl"

Teil August: Lixenried liegt tief im Bayerwald kurz vor der tschechischen Grenze. Verschlafen ist das Leben in dem 600-Seelen-Ort trotzdem nicht. Die Bindung zum Verein ist innig und die Feste wild. Hier geht es zur Geschichte: "Lixenried und die Liebe"

Teil September: Die Geschwister Euringer arbeiten in Paulushofen im Familienbetrieb. Landwirtschaft, Metzgerei und Gasthof bedeuten für sie mehr als nur Arbeit. Hier geht es zur Geschichte: "Vom Stall bis auf den Teller"

Teil Oktober: Michael und Johann Ziereis haben Schwarzhofen einen Bildband gewidmet. Das liebevolle Porträt brachte sie zurück in den Heimatort. Hier geht es zur Geschichte: "Heimat zwischen Buchdeckeln"

Teil November: Michael Rosenbeck hütet einen Schatz - kistenweise goldene Kolben. Er weiß um deren Wert, sein Zwillingsbruder aber rümpft die Nase. Hier geht es zur Geschichte: "Der Mann mit dem Mais"

Teil Dezember: Mitten in Pavelsbach im Landkreis Neumarkt liegt ein Flugzeugwrack. Kaum einer in dem 900-Einwohner-Ort weiß, woher die Maschine kommt. So begann eine Spurensuche. Sie führte ins Flugzeuginnere – und bis nach Taiwan. Hier geht es zur Geschichte: "Die herrenlose Cessna"

Teil Januar: Der Kindergarten in Wald im Landkreis Cham hat eine Waldgruppe ins Leben gerufen. Die „Ameisen“ bauen Hütten und Schaukeln im Wald und lassen sich selbst vom Schnee und Matsch nicht abschrecken. Hier geht es zur Geschichte: "Feuertrunken im Schnee"

Die Autorin

Für die  Serie fährt MZ-Redakteurin Jana Wolf raus in die Region. Sie hat keinen Rechercheplan oder vorgefertigte Fragen dabei, sondern lässt sich von dem leiten, was ihr vor Ort begegnet – spontan und ein bisschen wagemutig. Sie will die Menschen im MZ-Gebiet zum Reden bringen. Denn sie ist sicher: Sie haben viel zu erzählen.

Bilder und digitale Gestaltung: Jana Wolf

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