Multimedial

Verlassene Orte in 360 Grad: Teil eins

Ein verfallenes Schloss, ein ehemaliger Pestfriedhof oder ein verschwundenes Dorf mitten im Wald – Wir zeigen verlassene Orte in der Oberpfalz: im 360-Grad-Rundumblick.

In unserer gleichnamigen Serie haben wir bereits 2014 "Verlassene Orte in der Region" besucht und vorgestellt. Nun haben wir eine 360-Grad-Kamera in die Hand genommen, und uns noch einmal auf die Reise durch die Oberpfalz begeben, um an diesen Orten drei Jahre später neue Eindrücke zu sammeln – und Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich virtuell vor Ort umsehen zu können.

Die Erklärungen zu den Bildern stammen aus der Serie aus dem Jahr 2014. Den Link zum ganzen Bericht finden Sie jeweils am Ende der Erklärung.

So funktionieren die 360-Grad-Bilder

Im Folgenden finden Sie zu jedem der Orte die wichtigsten Informationen und haben die Möglichkeit, sich frei in alle Richtungen umzusehen. Wenn das jeweilige 360-Grad-Bild nicht automatisch startet, klicken Sie in das Fenster. Dann können mit der Maus – oder mit dem Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät benutzen – einfach durch die Bilder navigieren und sich umsehen. 

Schloss Pürkelgut

Post from RICOH THETA. - Spherical Image - RICOH THETA

Einsam versunken, die Fenster zugemauert, schlummernd ab vom Schuss: Das barocke Wasserschloss im Osten von Regensburg wirkt unbehaglich. Betreten darf man das Haus nicht: Es herrscht Lebensgefahr. Darüber, wie es innen aussieht, gibt es nur Schauergeschichten. Mahnende Worte über das Pürkelgut gibt es zuhauf. Vor Jahren schon sprach Stadtschreiber Karl Bauer von „trauriger Verwilderung und malerischem Verfall.“ 2016 bekam das Schloss ein neues Dach, um es vor der widrigsten Witterung zu schützen. Doch das Pürkelgut liegt immer noch im Dornröschenschlaf. Es hat so lange geschlummert, dass es heute nicht nur eine Frage des Denkmalschutzes ist, sondern auch eine des Naturschutzes. Hinter dem Schloss hat sich ein Feuchtbiotop gebildet.

Die Reportage vom Schloss Pürkelgut mit dem Titel "Schloss des malerischen Zerfalls" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

Fleischhackerhaus in der ehemaligen Bügellohe

Fleischhackerhaus Bügellohe - Spherical Image - RICOH THETA

Das „Fleischhackerhaus“ in der Bügellohe erinnert noch heute an die elf Familien, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 aus ihren Dörfern in Böhmen vertrieben wurden und auf knapp 900 Metern Höhe Zuflucht suchten. Nicht einmal eine Straße führte zur Siedlung mitten im Wald. Über den „Sautreiberweg“ musste alles, was gebraucht wurde, mühsam zu Fuß hochgeschleppt werden – Lebensmittel ebenso wie Baumaterial. In den langen Wintermonaten lag der Schnee meterhoch. Dann war der kilometerweite Schulweg für die Kinder besonders mühsam. Mehr als 60 Menschen lebten in der Bügellohe, sieben Kinder wurden dort geboren. Nachdem 1969 der letzte Bewohner der Siedlung den Rücken gekehrt hatte, verfielen die Gebäude. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist die Bügellohe ein verlassener Ort mitten im Wald: ein Flecken Erde voller Erinnerungen.

Die Reportage vom Fleischhackerhaus mit dem Titel "Mit 30 Kilo Heimat auf der Flucht" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

Pestfriedhof Bad Kötzting

Pestfriedhof Bad Kötzting - Spherical Image - RICOH THETA

Ende des 16. Jahrhunderts, wird der Platz eng rund um die Kirche Mariä Himmelfahrt. Die Pest hat das Dorf Zeltendorf unweit des Marktes Kötzting heimgesucht. Die Leichen der unter Qualen Gestorbenen werden zuhauf durch das Tor der Kirchenburg gekarrt, wo sie an der Mauer der Kirche ihre letzte Ruhestätte finden. Schließlich wird es dem damaligen Landrichter zu viel, vielleicht auch, weil er über dem Torbogen gewohnt hat, durch den die Karren mit den Leichen gezogen werden. 1584 schreibt er an die Regierung, dass der Markt einen neuen Friedhof brauche, und noch im selben Jahr wird im Norden Kötztings eine Fläche zum Gottesacker geweiht, die Opfer des „Schwarzen Todes“ werden aus dem Ort verbannt.Wer heute durch die rund 7000 Quadratmeter große Anlage geht, der spürt nichts mehr vom Leid der Angehörigen. Der Tod ist hier nicht mehr zu Hause, es ist Frieden eingekehrt. Wer heute durch den früheren Friedhof geht, der genießt die Ruhe und wirft einen Blick auf die teils aufwendig gestalteten Grabsteine. Hohe Bäume säumen den Weg, Bänke sind aufgestellt. Vieles erinnert schon an einen Park.

Die Reportage vom Pestfriedhof Bad Kötzting mit dem Titel "Ein Park zwischen alten Gräbern" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

Forsthaus Irlbrunn

Forsthaus Irlbrunn Innen - Spherical Image - RICOH THETA

Im Februar 1964 schloss der Förster Johann Funk die Tür zum Forsthaus Irlbrunn zum letzten Mal. Irlbrunn wurde zur „Wüstung“, also zu einer Siedlung, die aufgegeben wurde und das einzige noch verbliebene Haus zu einem „verlassenen Ort“, wenngleich es die Bayerischen Staatsforsten noch für Veranstaltungen nutzen und hin und wieder ein Jäger dort übernachtet. Die einst bewohnte Lichtung im Frauenforst, die zwischen Haugenried und Kelheim liegt, ist voller Geschichte und Geschichten. Sogar ein Mord hat sich hier abgespielt: Der Förster Baron von Pilgram war einem Holzfrevler auf die Schliche gekommen. Als er den Dieb im Wald überführen wollte, verschwand von Pilgram. Seine Leiche wurde nie gefunden. Um 1831 lebten in Irlbrunn 20 Einwohner. Dass sie das nicht besonders gerne taten, zeigten die Bestrebungen im Jahr 1841 die Häuser und landwirtschaftlichen Flächen an den bayerischen Staat, der nun im Besitz des Frauenforstes war, zu verkaufen. 1873 packten die vier Familien auf den Höfen ihre Koffer und verließen den Ort. Die Häuser wurden aufgelassen und abgetragen. Das Gelände wurde aufgeforstet. Zurück blieb nur noch das 1867 neu errichtete Forsthaus sowie das angrenzende sogenannte Inhaus. 

Die Reportage über das Forsthaus Irlbrunn mit dem Titel "Das Waldkulturerbe im Frauenforst" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

Schanzanlage Waidhaus

Schanzanlage bei Waidhaus - Spherical Image - RICOH THETA

Hier im Finsterholz bei Waidhaus im Oberpfälzer Wald ist die militärische Anlage noch zu erkennen. Im Jahr 1621 war der Dreißigjährige Krieg bereits drei Jahre alt. Mit dem „Prager Fenstersturz“ wandten sich die protestantischen böhmischen Stände 1618 letztlich erfolglos gegen die Rekatholisierungsversuche des böhmischen Königs aus dem Haus Habsburg. Als Feldherr der Katholischen Liga wurde Graf von Tilly engagiert, als Obrist stand Ernst Graf Mansfeld in den Diensten der protestantischen Union. Am 19. Juni 1621 hatte Mansfeld sein Hauptquartier nach Waidhaus verlegt. Der rechte Flügel seiner Streitkräfte reichte über die Sperrwerke bei Eslarn bis nach Waldmünchen und Cham. Die linke Verteidigungslinie sicherte die Übergänge Waldsassen, Mähring und Bärnau. Zur selben Zeit zog Tilly seine Streitmacht bei Roßhaupt zusammen und ließ ebenfalls Schanzen auswerfen. Fast 400 Jahre sind seither ins Land gezogen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahre 1989 können die Mansfeldischen und Tillyschen Schanzanlagen in Bayern und Böhmen gemeinsam erforscht werden.

Die Reportage von der Schanzanlage Waidhaus mit dem Titel "Die letzten Spuren des Schanzenkrieges" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

Theresienstollen in Amberg

Theresienstollen Amberg - Spherical Image - RICOH THETA

Wer ihn nicht kennt, wird ihn nicht finden. Der Theresienstollen liegt am Rande der Amberger Altstadt im Hinterhof einer Druckerei an der Sulzbacher Straße. Ein schweres, eisernes Tor verwehrt den Zutritt. Drinnen steht eine Figur der Heiligen Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute. Nach nur einem guten Meter ist Schluss: Niemand kann mehr in den historischen Stollen unter dem Amberger Erzberg einfahren. Er wurde aus Sicherheitsgründen zugemauert. Schon im Mittelalter florierten in Amberg und Umgebung der Erzabbau und die Verhüttung des Erzes zu Roheisen. Die früheste Erwähnung des Erzabbaus in Amberg stammt aus dem Jahr 1270. Nach Kriegswirtschaft und dem „Wirtschaftswunder“ der 1950er Jahre zeichnete sich ab 1960 ab, dass inländisches Roheisen gegenüber Billigimporten nicht mehr konkurrenzfähig war. Gleichzeitig versiegten die Erzvorkommen. 1964 wurde der Theresienstollen endgültig stillgelegt.

Die Reportage vom Theresienstollen in Amberg mit dem Titel "Die verlassenen Stollen im Erzberg" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

Wüstung Rammertshof

Wüstung Rammertshof #2 - Spherical Image - RICOH THETA

Bis zum Ende des kalten Krieges wurden auf dem Standortübungsplatz Fuchsstein bei Amberg Rekruten aus der Kaiser-Wilhelm- und der Leopoldkaserne infanteristisch ausgebildet. Sie robbten durch das Gelände entlang des Ammerbaches, übten den Handgranatenweitwurf und richteten die Kanonen ihres Kampfpanzers Leopard auf imaginäre Ziele. Die mächtigen Buckelquader verfallener Häuser, überwuchert von Erlen, Birken und Hollerstauden, beachteten sie kaum. Dem für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Exerzierplatz, der von 1935/36 bis 1945 der Wehrmacht und ab 1956 wieder der Bundeswehr als Übungsgebiet diente, ist es zu verdanken, dass man hier noch heute Relikte der verlassenen Ortschaft Rammertshof findet, deren Wurzeln wohl auf das 10. Jahrhundert zurückgehen.

Die Reportage von der Wüstung Rammertshof mit dem Titel "Rammertshof ist nur noch Wüstung" aus der Serie "Verlassene Orte in der Region" finden Sie hier.

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