360 Grad

Forscherdrang und große Bühne

Von einer geheimen Testhalle über ein wirklich sauberes Labor bis zu einem OP-Roboter, der nach einem Allzweckgenie benannt ist: Mit der MZ gelangen Sie virtuell an Orte, die Sie entweder nie betreten können – oder nie betreten wollen.

In einer futuristischen Halle im Regensburger Gewerbepark werden manchmal ganze Autos getestet. Eine kleine Kammer im Caritas-Krankenhaus St-Josef kann Leben retten. Auf einem Hügel im Bayerwald könnte man die NSA vermuten. Ein spezielles Labor ermöglicht nicht nur Studenten an der OTH saubere Forschung. Und mit einem Roboter in der Domstadt werden Operationen sicherer.

So verschieden diese Orte sind, haben sie doch zwei Dinge gemeinsam: Sie sind schwer bis gar nicht zugänglich – und gerade deshalb ist es spannend, einen Blick hineinzuwerfen. Scrollen Sie sich zunächst durch einige Bilder, die Ihnen einen ersten Eindruck dieser Orte hinter (normalerweise) verschlossenen Türen vermitteln. Wem dieser kleine Eindruck aber noch nicht reicht, der sollte noch weiter nach unten scrollen. Denn jeder Ort kann virtuell im 360-Grad-Rundumblick erkundet werden.

So funktioniert es

Wir haben mit einer 360-Grad-Kamera Orte in der Oberpfalz besucht, an die Sie entweder nie gelangen können – oder nicht gelangen wollen. Im Folgenden finden Sie zu jedem der Orte die wichtigsten Informationen und haben die Möglichkeit, sich frei in alle Richtungen umzusehen. Wenn das jeweilige 360-Grad-Bild nicht automatisch startet, klicken Sie in das Fenster. Dann können mit der Maus – oder mit dem Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät benutzen – einfach durch die Bilder navigieren und sich umsehen. 

Wenn sich die dicke Stahltür schließt, ist jedes Handy hier von der Außenwelt abgeschirmt: In der EMV-Fahrzeughalle von Continental werden Geräte und Prototypen auf ihre "elektromagnetische Verträglichkeit" getestet. #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Völlig abgeschirmt

Mitten im Regensburger Gewerbepark steht diese futuristisch wirkende Halle. Der Weg führt durch ein gewöhnliches Büro, ein kleines Laboratorium und dann eine dicke Stahltür. Um sie zu öffnen, ist ein Knopfdruck nötig. Es klackt, zischt, dann springt sie ein Stück auf. Der Rest muss mit Muskelkraft erledigt werden. Schlägt die Tür hinter dem Besucher zu, ist das Handy tot. Denn kein Signal darf in die EMV-Fahrzeughalle von Continental dringen. EMV steht für "Elektromagnetische Verträglichkeit". Hier werden von Continental entwickelte Steuergeräte und Sensoren und selten auch ganze Fahrzeuge – für die es ein großes Eingangstor gibt – auf Störfestigkeit und Abstrahlung getestet. In der Halle sind alle Flächen mit sogenannten Absorbern ausgestattet, um eine Reflexion zu verhindern. Beim Boden wird darauf verzichtet: Denn der kann auch in der Natur Strahlung reflektieren.

Die Druckkammer im Krankenhaus St. Josef in Regensburg ist die einzige ihrer Art in Ostbayern. #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Bis zu 2 bar über dem normalen Druck

Ein Mann liegt bewegungslos in der kleinen Kammer – eine große Atemmaske auf dem Gesicht. Das Glas beschlägt leicht von innen. Das Besondere an dieser Röhre kann auf den ersten Blick nicht ausgemacht werden. Lediglich das dicke Glas und die mächtige Stahltür an der Kopfseite lassen es vermuten: Der Druck in der Kammer liegt rund zwei Bar über dem normalen Druck.

Die HBO-Druckkammer im Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg ist die einzige ihrer Art in ganz Ostbayern. Das Besondere: Sie ist bei einem Notfall 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag einsetzbar. HBO steht für "Hyperbare Oxygenierung". Das Behandlungskonzept einer Druckkammer ist – zumindest in seinen Grundzügen – schnell erklärt: Der Patient atmet zum Beispiel reinen Sauerstoff, während sein Körper einem höheren Druck ausgesetzt ist. So heilt sich der Körper dann selbst. Vor allem mit der sogenannten "Taucherkrankheit" (Dekompressionserkrankung) wird die Behandlung in einer Druckkammer in Verbindung gebracht. Aber auch bei einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung kann sie Leben retten.

Zu Testzwecken hat auch Dr. Helmut Meyringer eine solche Kammer schon ausprobiert. Er ist Facharzt für Anästheologie und einer von drei Ärzten, die die Kammer bedienen können. "Eigentlich merkt man gar nicht viel", sagt er. "Nur den Temperaturunterschied und, dass sich die Stimme verändert."

Diesen Rundumblick hat normalerweise nur das "Wettzell Laser Ranging System" - kurz WLRS. Das Lasertelekop bildet zusammen mit seinem Bruder, drei Radioteleskopen und vielen Geräten mehr das "Geodätische Observatorum Wettzell". #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Die NSA im Bayerwald?

Der BND? Die NSA? Mitten im bayerischen Wald stehen drei gigantische Radioteleskope. Doch kein Geheimdienst versucht, hier in Wettzell die bayerische Bevölkerung abzuhören. Die drei gigantischen Gebilde gehören zum Geodätischen Observatorium, das vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie und der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsi der TU München betrieben wird. Selbst wenn es so aussieht: Hier wird keine Weltraumforschung betrieben. Neben vielen anderen Projekten ist eine der ureigenen Aufgaben der Anlage, regelmäßig ihre genaue Position zu bestimmen – damit das GPS-System funktioniert und so zum Beispiel die Navigationssysteme aller Autofahrer. Doch selbst wenn die Anlage in Wettzell, obwohl sie die einzige in Deutschland ist, einmal ausfallen sollte, würde das GPS noch nicht zusammenbrechen. Denn: "Das ist auf sehr viele Schultern verteilt", sagt Thomas Klügel, einer der rund 30 Mitarbeiter.

Sauber geforscht: Im Reinraum-Labor der OTH in Regensburg kann unter besten Bedingungen geforscht werden. #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Saubere Forschung

Hier ist es sauber. So richtig sauber. Und auf Grund des herrschenden Überdrucks sowie Filtersystemen für Luft und Wasser gelangt in dieses Labor auch fast nichts hinein, was nicht hinein gehört. Das Reinraumlabor an der OTH Regensburg ist laut Alfred Lechner rund 50 Mal sauberer, gemessen an der Partikeldichte in der Luft, als ein Operationssaal. Der Diplom-Chemiker und Professor an der Fakultät „Allgemeinwissenschaften und Mikrosystemtechnik“ leitet das „Kompetenzzentrum Nanochem“ und ist mit für das Labor verantwortlich. 20 Millionen Euro, zehn Jahre Planung und viel Überzeugungsarbeit hat der Bau verschlungen. Doch nun kann auf 100 Quadratmetern im Bereich Technologie geforscht und auf 50 Quadratmetern Analytik betrieben werden – unter saubersten Bedingungen.

Dieser Anblick bietet sich im Krankenhaus "Barmherzige Brüder" in Regensburg keinem Patienten: Denn wenn dort mit dem modernen "da Vinci"-OP-Roboter gearbeitet wird, sollte die Narkose schon lange wirken. #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Der "da Vinci" operiert nicht selbst

Aus dieser Perspektive sollte kein Patient den „da Vinci“, wie er im Regensburger Krankenhaus „Barmherzige Brüder“ genannt wird, je zu Gesicht bekommen. Denn wenn der Operateur am Kontrollpult sitzt – die Augen fest auf die beiden Okulare gepresst, Mittelfinger und Daumen in den beiden Steuereinheiten – und im Bauchraum der Patienten operiert, liegt dieser tief und fest in Narkose. Zwischen vier bis sechs Operationen werden bei den Barmherzigen Brüder pro Woche mit dem „da Vinci“ durchgeführt. Dabei ist Oberarzt Jürgen Popp immer wieder wichtig zu betonen: Es arbeitet nicht der Roboter, sondern immer der Arzt. Alle Bewegungen der drei Arme, an die verschiedene Instrumente angedockt werden können, sowie der Kamera werden von Menschenhand gesteuert. Deshalb ermöglicht der „da Vinci“ auch keine OPs, die bisher nicht möglich waren, sondern macht diese für den Patienten nur sicherer, weniger schmerzvoll danach – und für den Arzt einfacher. Wichtig zu wissen: Unser 360-Grad-Bild zeigt keine nachgestellte OP-Situation. Normalerweise sind sieben Menschen im Raum anwesend und der „da Vinci“, damit alles steril ist, von oben bis unten in Plastik eingepackt.

Auf der Bühne im Theater in Regensburg #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Bretter, die die Welt bedeuten

In eine andere Welt eintauchen. Den gigantischen Kronleuchter über dem Kopf. Und zuschauen, wie auf der Bühne "Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten" oder "Hamlet" wirken. Das geht: im Theater Regensburg am Bismarckplatz. 

519 Besucher finden im Theater Platz. 200 Jahre ist das Gebäude mittlerweile alt. Doch die Bretter, die die Welt bedeuten, können die Zuschauer im Normalfall nicht betreten. Die Unterbühne, wo unter anderem der Motor der großen Drehbühne beherbergt ist, bleibt eigentlich Technikern vorbehalten. Und die Maskenwerkstatt ist normalerweise ein kreativer wie geheimer Ort.

Die Maskenwerkstatt im Regensburger Theater - ein "Bär" inklusive #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA
Zutritt eigentlich nur für Techniker: Die Unterbühne des Theater Regensburg #geheimeOrte - Spherical Image - RICOH THETA

Text und Recherche: Nina Schellkopf & Mario Geisenhanslüke

Bilder und 360-Grad-Bilder: Nina Schellkopf, Holger Schellkopf & Mario Geisenhanslüke 

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